140 Jahre Freiwillige Feuerwehr Salzwedel – zweiter Teil

Brand nach einem Fliegerangriff in Salzwedel nachgestellt

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Die Freiwillige Feuerwehr Salzwedel übte für den Ernstfall. Auf dem Gelände des Chemiewerkes wurde beispielsweise der Brand nach einem Fliegerangriff nachgestellt.

Salzwedel. Als am 28. Juli 1914 das Kaiserreich Österreich-Ungarn seine Kriegserklärung gegen Serbien ausspricht, beginnt auch für die Salzwedeler Feuerwehr eine Zeit mit schweren Umbrüchen.

Nicht nur, dass einiges an finanziellen Mitteln aus der Feuerwehrkasse in Kriegsanleihen fließt, der größte Teil der aktiven Kameraden wird für den Dienst an der Front eingezogen. Am 1. September 1915 befinden sich 60 Mitglieder unter Waffen. Mit nur 32 Aktiven bestreitet die Feuerwehr ihren Dienst.

Brandschützer müssen an die Front

Unterstützung bekommen die Salzwedeler von 22 Jungen aus der Schülerwehr. Diese wurde zu Beginn der Jahrhundertwende aufgelöst, nun aber in Zeiten der Not erneut zusammengerufen. Bis zum Kriegsende 1918 waren 76 Männer an die Front gerufen worden, fünf von ihnen kehrten nicht zurück.

Mit Gasmasken ausgestattet, tragen zwei Einsatzkräfte einen Verletzten während einer Übung.

Nach den Kriegswirren wurde die Einsatzfähigkeit der Wehr dank Spenden und Beigaben der Stadt mit neuen Handfeuerlöschgeräten sowie durch eine Automobil- und eine Motorspritze verbessert. Diese zeigte ihre Notwendigkeit im Mai 1928, als ein Großfeuer in den Kleinloffschen Lagerhallen an der Altperver- und Chüdenstraße das ganze Viertel in Brand zu stecken drohte. Nur die ungeheuren Wassermassen, die die Motorspritze schleuste, konnten die Flammen eindämmen. Auch im Winter 1929, nach dem Bruch der Hauptwasserleitung in der St.-Georg-Straße, konnte die Wehr dank der motorisierten Spritze zahlreiche Keller leer pumpen.

Mit der Anschaffung von Gasmasken und Übungen zur Verdunkelung im Jahr 1935 zeichneten sich die ersten Schatten des nahenden Krieges ab. So wurden bei Übungen zunehmend Szenarien feindlicher Fliegerangriffe mit Bombenabwurf nachgestellt. Auch wurde die Alarmierung der mittlerweile 120 Mann starken Salzwedeler Wehr durch das nicht mehr zeitgemäße Nebelhorn mittels 18 Feuermeldern und Fernsprechern ausgetauscht.

Übungen mit der Gasmaske

Besondere Maßnahmen wurden für den vorbeugenden Brandschutz ergriffen: Böden, Keller, Feuerstellen, Schornsteine, elektrische Anlagen sowie Gasleitungen wurden durch die Wehr regelmäßig kontrolliert. Beim Fliegerangriff auf den Salzwedeler Bahnhof am 22. Februar 1945 erlag ein Kamerad seinen schweren Verletzungen durch Bombensplitter.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wurde am 15. Mai 1950 die gesamte technische und verwaltungsmäßige Leitung der Feuerwehren dem Ministerium des Innern der DDR unterstellt. Die Wehren und Dienststellen gehörten ab sofort nicht mehr zum Verband der kommunalen Selbstverwaltung. Durch die Übernahme des Gerätehauses der Berufsfeuerwehr kam es dabei fast zur Auflösung der Freiwilligen Wehr.

Von Katja Lüdemann

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