Aufruhr in der Kinowelt: Filmpalast Salzwedel zeigt deutschlandweit umstrittene Dokumentation

Zwischen Skandal und Akzeptanz

In der Dokumentation „Vaxxed“ wird über den Zusammenhang zwischen der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln und der Krankheit Autismus berichtet. Nicht nur in Deutschland sind die Proteste gegen den Film enorm. Foto: Friedrichs
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In der Dokumentation „Vaxxed“ wird über den Zusammenhang zwischen der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln und der Krankheit Autismus berichtet. Nicht nur in Deutschland sind die Proteste gegen den Film enorm.
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Salzwedel. Als der Film „Vaxxed“ Anfang April in Deutschland Premiere feierte, war der Protest riesig. Viele Lichtspielhäuser entschieden, den Film gar nicht zu zeigen.

In einem Kino in Hannover wird die Dokumentation des umstrittenen Regisseurs Andrew Wakefield nach heftigen Beleidigungen und der Bedrohung eines Kinomitarbeiters wieder aus dem Programm genommen. Was unzählige Menschen in Rage versetzt, ist das empfindliche Thema des Films. In 91 Minuten steht die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln als möglicher Auslöser für Autismus im Vordergrund.

Der Filmpalast in Salzwedel zieht nun nach. Am Sonntag, 21. Mai, werden zwei Vorstellungen von „Vaxxed“ zu sehen sein. Obwohl Kinochefin Barbara Bode die massiven Protestaktionen ebenfalls verfolgt hat, zeigt sie sich in Hinblick auf diese Entscheidung gelassen: „Ich erwarte keine Protestaktionen oder Kundgebungen vor dem Kino.“ Nachdem der Film deutschlandweit Startschwierigkeiten hatte, „seien in der letzten Zeit keine großen Zwischenfälle mehr bekannt geworden“, erklärt sie. Zunächst wartete man jedoch auch in Salzwedel ab, wie der Film in anderen Kinos ankommen würde.

Doch warum hat sich die Kinobesitzerin entschieden, den Film zu zeigen? „Es ist ein sensibles Thema. Dennoch darf eine andere Sicht der Dinge noch lange nicht verboten werden. Es soll die Möglichkeit sein, beide Seiten – von Befürwortern, aber eben auch von Impfgegnern – kennenzulernen und sich seine Meinung zu bilden“, begründet Bode. Im Anschluss an den Film soll eine Gesprächsrunde stattfinden, der auch der Allgemeinmediziner Dr. Herbert Waltke aus Lüchow beiwohnen wird. Dort können weitere Fragen gestellt werden.

Dass mittlerweile immer mehr Altmärker dem umstrittenen Schutz vor Krankheiten kritisch gegenüberstehen, zeigen auch Zahlen aus dem Verwaltungsbericht des Altmarkkreises. Im Vergleich zum Jahr 2014 hat sich die Gesamtzahl der Impfungen 2016 um die Hälfte verringert. Neben den rückläufigen Impfungen gegen Hepatitis B, lässt vor allem auch der Pieks gegen Influenza stark nach. Auch die in der Dokumentation thematisierte Impfung, mit der Menschen gegen Masern, Mumps und Röteln immunisiert werden sollen, ist im Vergleich zu den Vorjahren leicht gesunken.

Von Melanie Friedrichs

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Den Trailer zum Film gibt es hier.

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