Schallschutz war das Thema

Zweigleisiger Ausbau der Amerika-Linie zwischen Salzwedel und Uelzen bis 2028

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DB-Projektleiter Andreas Hartwig aus Berlin erläuterte am Mittwoch im Salzwedeler Kunsthaus den weiteren Ausbau der Amerika-Linie. Zentrales Thema: der Schallschutz.

Salzwedel – Die Amerika-Linie soll im Abschnitt zwischen Uelzen und Stendal zweigleisig ausgebaut werden. Dazu gab es am Mittwochabend im Salzwedeler Kunsthaus einen Bürgerdialog, in dem der Projektleiter der Deutschen Bahn, Andreas Hartwig, den geplanten Ausbau erläuterte.

Die Amerika-Linie ist die Verbindung von Berlin zu den Nordseehäfen Hamburg und Bremerhaven. Ihren Namen erhielt die Strecke, weil auf ihr im 19. und 20. Jahrhundert viele Deutsche direkt zum Auswanderkai nach Bremerhaven gebracht wurden, wo sie Anschluss an die Schiffe nach Amerika hatten.

Unter den Zuhörern waren auch einige Stadträte wie Holger Lahne (r.).

Seit dem Mauerbau war die Strecke unterbrochen. Auf massiven Druck von Salzwedels damaligem Landrat Egon Sommerfeld wurde der Wiederaufbau als Verkehrsprojekt „Deutsche Einheit Nr. 3“ Anfang der 1990er-Jahre in Angriff genommen. Zunächst zweigleisig geplant, wurde das Vorhaben dann auf ein Gleis beschränkt. Der zweite Schienenstrang soll nun bis 2028 durchgehend nachgeholt werden.

Im Abschnitt zwischen Stendal und Uelzen gibt es 60 Bahnhöfe, vor 15 liegt bereits das zweite Gleis, informierte Andreas Hartwig von der Deutschen Bahn etwa 40 interessierte Bürger im Kunsthaus.

Rund 40 Interessierte hörten sich während des Bürgerdialogs die Details zum Bahnausbau an.

Bereits heute fahren 80 Züge auf der Strecke, und besonders nachts sind die Güterzüge für Menschen deutlich zu hören, die dicht an der Verkehrsführung leben. Die Anzahl der Züge könnte sich nach dem zweigleisigen Ausbau nach derzeitigen Schätzungen auf bis zu 236, davon 180 Güterzüge, am Tag erhöhen. Bei den Schrankenschließzeiten wird tagsüber mit 15 und nachts mit 30 Minuten pro Stunde (!) gerechnet. Das wird vor allem für die Rettungsdienste zum Problem.

Wichtig auch der Schallschutz. Deswegen waren die meisten der Zuhörer ins Kunsthaus gekommen. Die Höhe von Schallschutzwänden ist abhängig von dem jeweils zu vermindernden Schallpegel, erläuterte der Bahn-Vertreter. Die durchschnittliche Höhe der Schallschutzwände beträgt derzeit 3,50 Meter über der Schienenoberkante. An Problemstellen kann deren Höhe nach dem Ausbau bis zu sechs Meter betragen, so Andreas Hartwig. Und weiter: „Der Gutachter nimmt jedes Gebäude an der Strecke lärmtechnisch unter die Lupe.“ Im Sommer bei offenem Fenster zu schlafen, sei unmöglich, kritisierte eine Anliegerin. „Es ist klar, dass so etwas eine Einschränkung des Lebenskomforts ist. Deshalb gibt es gesetzliche Grenzwerte, die wir einhalten müssen“, so der Bahn-Vertreter.

Der Baubeginn im Abschnitt von Salzwedel bis über die Landesgrenze ist für 2025 ins Auge gefasst. Es werde von den Gutachtern ein 3D-Modell am Computer erstellt, um unterschiedliche Situationen zu simulieren und daraus die Höhe der Schallschutzwände zu berechnen. Auf der 107 Kilometer langen Strecke von Stendal nach Uelzen befinden sich 60 Bahnhöfe, eine sehr hohe Dichte. Ein Kilometer Lärmschutzwand Marke Standard koste zwischen ein und zwei Millionen Euro, führte Hartwig aus. Und er wusste: Für die Lärmsanierung stellt der Bund seit 2007 rund 100 Millionen Euro pro Jahr bereit. Bis Ende 2017 wurden mit diesen Mitteln Schallschutzwände an über 700 Streckenkilometern errichtet.

Der Ausbauabschnitt 1 (von Stendal bis Salzwedel) ist geschafft. Ab 2025 soll der Abschnitt 2 (von Salzwedel nach Niedersachsen) in Angriff genommen werden.

In der Baustufe 1 (Stendal-Salzwedel) wurden die Streckenabschnitte von Hohenwulsch bis Salzwedel zweigleisig ausgebaut. 16 Bahnübergänge wurden baulich an die Zweigleisigkeit angepasst. Zwischen Stendal und Uelzen wurden die Kabelanlagen und Telekommunikationseinrichtungen ergänzt sowie teilweise erneuert. Die Inbetriebnahme des zweiten Gleises auf der restlichen Strecke nach Uelzen (Baustufe 2) soll bis 2028 erfolgen.

VON BERND ZAHN 

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