Kommentar zur wirtschaftlichen Lage in der Altmark

Die zweigeteilte Altmark

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Symbolbild: Luftaufnahme der Stadt Salzwedel im Altmarkkreis.

Es war eine ernüchternde Nachricht zum Jahresbeginn. Die westliche Altmark ist Schlusslicht. Bundesweit. Im Wirtschaftsranking von Focus Money Platz 381 in der Rangliste der Städte und Landkreise. Einen Platz 382 gibt es nicht mehr.

Natürlich hat man immer geahnt im Altmarkkreis, dass es nicht gerade zum Besten bestellt ist, was Infrastruktur, Arbeitsplatzsituation und Einkommensverhältnisse betrifft. Aber abgeschlagen Letzter? Was macht der Landkreis Stendal (Platz 289) anders, was die auf der anderen Seite angrenzenden Landkreise Lüchow-Dannenberg (313) und Uelzen (293), die auch nicht gerade zu strukturstarken Regionen zählen?

Wenn man so auf die Entwicklung der vergangenen Jahre schaut, dann sieht man: Viele Probleme sind auf äußere Umstände zurückzuführen, viele aber auch hausgemacht.

Und im Jahr 2018 ist es Realität: Altmark ist nicht gleich Altmark, der bevölkerungsarme Landstrich im Norden Sachsen-Anhalts ist längst zweigeteilt – in den Landkreis Stendal mit einem spürbaren Aufschwung und einem Altmarkkreis Salzwedel, der immer weiter abgehängt zu werden scheint.

Sicher, der Kreis Stendal hat einige strukturelle Vorteile. Die Landeshauptstadt Magdeburg ist nicht weit, dank des Anschlusses ans ICE-Netz gibt es auch viele Pendler nach Berlin. Und die Fertigstellung der Autobahn 14 wird Stadt und Landkreis nochmal einen Schub geben. Dazu hat man manch großen Arbeitgeber, Studenten, ein Landgericht, ein Arbeitsgericht....

Alles Standortvorteile, auf die Salzwedel nicht verweisen kann. Es gibt kein schnelles Internet, keine Infrastruktur. Immer mehr Arztpraxen und Schulen schließen, die Bevölkerungsentwicklung kennt nur eine Richtung – die Zahl sinkt.

In dieser Phase muss eigentlich ein vereintes Aufbäumen stattfinden, es muss ein Masterplan her. Und alle müssen in die Pflicht genommen werden – zuerst die Verantwortlichen vor Ort, denen bislang jegliche Phantasie zu fehlen scheint, wie man die Region wieder in die Spur bekommen und fit für die Zukunft machen kann.

Aber natürlich auch die heimischen Bundes- und Landtagsabgeordneten, deren Engagement für ihre Wähler daheim und ihre Heimat – vorsichtig formuliert – eher bescheiden ausfällt.

Die Altmark ist eine lebens- und liebenswerte Region, doch sie hat bei der Regierung in Magdeburg keine Lobby. Dort etwas durchzusetzen, steht in der Verantwortung der Volksvertreter und sie werden sich die Frage gefallen lassen müssen, ob sie das in der Vergangenheit vielleicht etwas „vergessen“ haben.

Dem Nachwuchs müssen Perspektiven geboten werden; es kann doch nicht sein, dass man keine andere Wahl hat, als seine Heimat zu verlassen.

Jede Region hat ihre Alleinstellungsmerkmale, mit der sie punkten kann. Die westliche Altmark hat bescheiden damit angefangen, neben grünem Band sind das Kunsthaus in Salzwedel, die Künstlerstadt Kalbe oder auch Gut Zichtau Beispiele dafür, wie man Interesse wecken kann. Doch Unterstützung aus der Politik? Weitgehend Fehlanzeige.

Vielmehr scheint sich vielerorts bereits ein Fügen ins Schicksal breitzumachen – ein „Weiter so“ darf es aber nicht mehr geben.

Von Thomas Mitzlaff

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