Asylverfahren dauern derzeit durchschnittlich fünf Monate / Thiele: „Wir ackern rund um die Uhr“

Zwei Drittel flüchten vor dem Krieg

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Asylunterkünfte, wie hier in Gardelegen, sind zweckmäßig und ohne Luxus eingerichtet. Die Asylverfahren dauern derzeit durchschnittlich etwa fünf Monate.

Altmarkkreis. Jeder dritte Asylbewerber im Altmarkkreis Salzwedel kommt nicht aus einem Kriegsgebiet. Diese Zahl nannte Kreisdezernent Hans Thiele während der Sitzung des Kreis-Ordnungsausschusses. Das Gremium tagte am Donnerstagabend auf der Deponie in Gardelegen.

Demnach kommen zwei von drei Flüchtlingen, die derzeit in der westlichen Altmark untergebracht werden müssen, aus Regionen, die als Kriegsgebiete gelten. Dazu gehören vor allem Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Sie flüchten vor dem Bürgerkrieg und vor dem IS-Terror. Das restliche Drittel sind Flüchtlinge, die aus so genannten sicheren Herkunftsländern kommen. Dies sind vor allem Balkanstaaten. Die Chancen, dass ihre Asylverfahren positiv beschieden werden, sind eher gering. Dennoch werden viele von ihnen noch längere Zeit im Kreis bleiben.

Denn wie Hans Thiele erläuterte, dauert ein Asylverfahren derzeit durchschnittlich etwa fünf Monate. Gibt es eine Ablehnung, können die Betroffenen dagegen klagen. Diese Gerichtsverfahren dauern dann erneut mehrere Monate – Tendenz wohl eher steigend. „Denn die Zahl der Klagen ist deutlich höher als noch vor ein paar Monaten“, so der Dezernent.

Etwas anders verhält es sich bei Asylbewerbern, die als Flüchtlinge anerkannt werden und einen so genannten Titel erhalten. Dagegen klagt dann naturgemäß keiner der Betroffenen. Aber auch solche Verfahren dauern nach Angaben von Hans Thiele momentan etwa fünf Monate.

Ist ein Flüchtling als Asylbewerber anerkannt, kann er sich anschließend in Deutschland frei bewegen. Er kann also in einen anderen Landkreis oder gar in ein anderes Bundesland ziehen, „wenn dort beispielsweise schon Familienmitglieder von ihm leben.“ In Gardelegen gebe es aber auch Fälle, bei denen die anerkannten Flüchtlinge vor Ort bleiben, „weil es ihnen hier so gut gefällt und sie sich eingelebt haben.“

Derzeit „ackern wir rund um die Uhr“, beschreibt Hans Thiele, um Unterkünfte anzumieten. Entspannung erhofft er sich von der Käthe-Kollwitz-Halle in Salzwedel, die leer steht und die als Auffanglager umgebaut wird. „Wir haben rund drei Wochen Vorlauf“, so Thiele. Bis die ersten Flüchtlinge dort einquartiert werden, werden noch Trennwände gezogen und ein Fernseh- sowie Spielzimmer hergerichtet, „damit die Wohnbedingungen dort einigermaßen akzeptabel sind.“ Diese Umbaumaßnahme kostet den Kreis knapp 200 000 Euro. In der Käthe-Kollwitz-Halle soll die Verweildauer der ankommenden Flüchtlinge maximal zwei Wochen betragen, bevor sie in Wohnungen umziehen.

Ein weiteres Problem: „Der Markt ist derzeit leer gefegt.“ Und zwar, was Malerarbeiten und die Ausstattung angeht. Mietet der Kreis Wohnungen für Flüchtlinge an, dann müssen diese Räume zunächst mit einem Mindestmaß an Standard versehen werden, also mit Betten, Tischen und einem Farbanstrich zum Beispiel bei lange Zeit unbewohnten Räumen.

Und: Der Altmarkkreis Salzwedel muss fast täglich improvisieren. Am gestrigen Freitag sollten beispielsweise 30 Flüchtlinge in Salzwedel ankommen. Tags zuvor kam plötzlich der Anruf: Es sind dann doch zehn Personen mehr. „Das mögen auf den ersten Blick geringe Zahlen sein“, sagt Hans Thiele. „Aber auch für diese zehn Menschen müssen wir innerhalb weniger Stunden Unterkünfte bereitstellen.“

Von Stefan Schmidt

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