IM GERICHT

Salzwedel: Zusteller entwendet Paket – Familienfotos aus dem Briefkasten gefischt

Das Amtsgericht in Salzwedel.
+
Das Amtsgericht in Salzwedel.

Salzwedel – Ein Zusteller, der ein Paket stiehlt. Klingt absurd, trug sich jedoch im Flecken Apenburg-Winterfeld im vergangenen Jahr so zu. Weshalb sich der 44-jährige Angeklagte nun im Amtsgericht in Salzwedel vor Richter Dr. Klaus Hüttermann verantworten musste.

Anfang August 2020 war der Tag, wo der 44-jährige es nicht mehr aushielt. Laut eigener Aussage hatte er die Beschwerden satt und ließ seiner Wut freien Lauf. Kurzerhand fischte er ein Paket aus dem Briefkasten einer seiner zu beliefernden Kunden. Nahm das Päckchen wohl aber nicht mit und warf es, ohne es vorher zu öffnen, in den Müll.

Die betroffene und besorgte Familienmutter klärte auf, was in dem Paket war: Familienfotos. Ihre Ängste verdeutlichte sie Richter Hüttermann im Gerichtssaal: „Ich habe keine Garantie, dass er die Bilder wirklich entsorgt und nicht irgendwo veröffentlicht hat. Ich habe Angst um meine Kinder.“ Eine Entschädigung, für die Kosten der Bestellung, habe der Angeklagte schon gezahlt. Die 31-jährige Frau wollte aber mehr, eine Zusicherung, dass der Angeklagte die Bilder wirklich vernichtet hat. „Ich habe die wirklich weggeschmissen. Ich wusste nicht einmal, was in dem Paket drin ist“, versicherte er der besorgten Mutter.

Der 44-Jährige gestand, eine andere Wahl hatte er auch nicht wirklich. Denn er war bei der Tat gefilmt worden. Das Videomaterial kam bei der Verhandlung durch sein Schuldeingeständnis jedoch nicht zum Einsatz.

„Ein Paketzusteller der Pakete stiehlt, das geht doch nicht“, fasste Richter Hüttermann die Situation zusammen. Da der Beschuldigte keine Vorstrafen und bereits eine Entschädigung an die Familie gezahlt hat, wird das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt. 200 Euro muss der 44-Jährige an das Frauen- und Kinderhaus in Salzwedel zahlen. Die Familie beliefert der Zusteller nicht mehr. (lz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare