Muslime feiern in Salzwedel religiöse Tradition

Zuckersüße Zeit nach dem Verzicht

Zum Zuckerfest ist die Gemeinschaft das Wichtigste – zum Beispiel beim Spiele spielen. Foto: privat
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Zum Zuckerfest ist die Gemeinschaft das Wichtigste – zum Beispiel beim Spiele spielen.
  • VonMelanie Friedrichs
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Salzwedel. Fröhliches Stimmengewirr dringt aus dem großen Raum des Gemeindehauses St. Georg. Auf dem Tisch stehen Bonbons, Schokolade und Kuchen. Die Kinder spielen zusammen, Gitarrenmusik ist zu hören und es wird angeregt erzählt.

Das Ende des Ramadans, das sogenannte Zuckerfest, wird gefeiert, ein Monat des Verzichts ist vorbei.

Zum Zuckerfest ist die Gemeinschaft das Wichtigste – zum Beispiel beim Spiele spielen.

Doch nicht alle freuen sich. „Einige fangen sogar an zu weinen, wenn die Zeit vorbei ist. Denn während des Fastens sind wir unserem Gott sehr nah“, erzählt Mohamad Amin Omar Alothman. Der Syrer ist seit zwei Jahren in Deutschland und spricht ziemlich gut deutsch. „Es ist üblich, dass man an diesem Tag Kontakt zu seiner Familie hat.“ Das geht bei dem 22-Jährigen nur per Videotelefonie. Seine Familie lebt in Kaar Gulbin in Nordsyrien, wo der junge Mann aufgewachsen ist. Allein er machte sich damals auf den Weg nach Deutschland.

Wer nicht fastet, muss armen Menschen Geld zahlen. Alte, Kranke und Schwangere sind generell von der religiösen Pflicht befreit, können den Zeitraum aber später nachholen. Kindern sei es freigestellt. „Einige fasten beispielsweise nur bis Mittag“, erklärt der junge Mann. Nach dem Ramadan beginnt das Fest des Fastenbrechens, das Zuckerfest.

„In Syrien sind zum Zuckerfest alle auf den Straßen“, wirkt Mohamad Amin bei seinen Beschreibungen lebhaft. Man feiert mit der ganzen Familie und besucht die Nachbarn – und überall gibt es selbstverständlich deftige Gerichte und süße Leckereien. Baklava zum Beispiel, eine Spezialität aus Kokos, Pistazie und jeder Menge Zucker (siehe Rezept). Baklava gibt es auch beim Begegnungstreff.

„Die Kinder laufen durch das Dorf und gratulieren den Einwohnern zum Zuckerfest. Dafür bekommen sie Bonbons“, so der Muslim über eines der wichtigsten Feste des Islams. Die Männer gehen am Morgen in die Moschee. Ein Imam spricht und es wird gemeinsam gebetet. In Salzwedel ist das natürlich nicht so einfach. Die Möglichkeit eine Moschee zu besuchen, haben die Gläubigen nicht.

„Es gibt in der Asylunterkunft einen Raum. Da können wir beten“, heißt es. Und dennoch wäre es schön, wenn es in der Hansestadt einen Platz geben würde, wo alle Muslime gemeinsam beten könnten, wünscht sich der Syrer. Er hat bereits freiwillig in der Katharinenkirche geholfen – ein gefördertes Integrationsprojekt, das bei dem 22-Jährigen gut ankam. „Ich versuche, so viel wie möglich mit Leuten zusammen zu sein. So kann ich schnell die Sprache und die Menschen kennenlernen“, sagt Mohamad Amin. Eine Aufenthaltsgenehmigung hat er bereits in der Tasche, genauso wie ein Zertifikat über das Ablegen eines Deutschkurses. Jetzt sucht er nach einer Ausbildung. „Am liebsten im kaufmännischen Bereich“, hofft der Muslim.

Von Melanie Friedrichs

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Rezept für Baklava

Zutaten: 500 Gramm Mehl, 250 Gramm Butter, 300 Gramm Pistazien, Mandeln oder Kokos, drei bis vier Eier, ein halber Becher Joghurt, ein Kilo Zucker, ein Esslöffel Zitronensaft, ein Esslöffel Honig und ein Liter Wasser.

Baklava ist eine Süßspeise, die es traditionell zum Zuckerfest der Muslime gibt. So auch beim Begegnungstreff.

1) Mehl, Eier, geschmolzene Butter, Joghurt und Wasser werden zu einem Teig verarbeitet. 2) Der Teig wird in 10 bis 15 Stücke geteilt, jeder Teigklumpen wird sehr dünn ausgerollt. 3) Anschließend legt man eine Teiglage auf ein gefettetes Backblech und bedeckt sie mit einer Lage gehackter Pistazien, Mandeln oder Kokos. Wiederholen bis der Teig aufgebraucht ist. 4) Alles in Rechtecke schneiden und 30 bis 45 Minuten bei 180 Grad backen. 5) Honig, Zitronensaft, Zucker und Wasser werden zu einem Sirup gekocht. Teigplatte mit dem lauwarmen Sirup übergießen.

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