20-Jähriger soll in Salzwedel zwei Brände gelegt haben / Angeklagter an beiden Abenden stark alkoholisiert

Zeugin: „Er fragte nach einem Feuerzeug“

Im September 2016 brannte in der Buchenallee 7 ein Keller. Der mutmaßliche Brandstifter will es nicht gewesen sein. Foto: Archiv / cz
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Im September 2016 brannte in der Buchenallee 7 ein Keller. Der mutmaßliche Brandstifter will es nicht gewesen sein.
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Salzwedel. Ein Wohnungsbrand an der Hansestraße 5 im März 2016 sowie ein Kellerbrand an der Buchenallee 7 im September 2016 standen gestern auf dem Verhandlungsplan des Salzwedeler Amtsgerichtes.

Und bei beiden Bränden wollte der 20-jährige Angeklagte nicht verantwortlich gewesen sein.

„Ich habe mit einem Kumpel an diesem Abend viel getrunken. Irgendwann sind wir auf die Idee gekommen, einen Ex-Kumpel von ihm zusammenzuschlagen“, erzählt der junge Mann, der seit zwei Monaten im Obdachlosenheim wohnt, vor den Schöffen und Richter Dr. Klaus Hüttermann.

Als sie besagten Kumpel in seiner Wohnung an der Hansestraße nicht angetroffen hatten, stiegen die beiden Betrunkenen – 2,61 Promille stellten die Polizisten beim Angeklagten fest, 1,40 bei seinem Saufkumpanen – einfach über den Balkon in die Wohnung. „Wir wollten nur ein bisschen Unordnung verbreiten und nach Wertsachen gucken“, schilderte der Salzwedeler. Am Ende hätte sein Freund ein Kissen und einen Müllsack in Brand gesteckt. „Ich hatte da nichts mit zu tun“, so der Angeklagte. „Ihr Kumpel sagte dazu aber etwas völlig Anderes aus. Sie sollen ihn regelrecht bedrängt und angestiftet haben“, entgegnete Richter Hüttermann.

Als die Wohnung in Flammen stand, türmten die beiden Betrunkenen. Später, als die Feuerwehr dabei war, den Brand zu löschen, stellten sie sich – auf Drängen des Angeklagten, so gab es dieser gegenüber der Polizei an.

Im Mittelpunkt des ersten Verhandlungstages stand nun der Kellerbrand in der Buchenallee 7. Zwei Personen mussten am Ende mit einer Rauchgasvergiftung in die Klinik gebracht werden, darunter ein achtjähriges Kind.

„Ich habe die Leute noch aus dem Haus geklingelt“, so der junge Mann, der ansonsten mit dem Brand nichts weiter zu tun haben wolle. In einem angrenzenden Gebäude wurde der 20-Jährige an diesem Abend im September dann doch noch festgenommen. Mehrere Zeugen hatten den Mann stark belastet. Rund 3,09 Promille hatte der Angeklagte intus.

„Jemand hat an diesem Abend meinen kleinen Bruder bedroht und ist ihm bis nach Hause gefolgt“, erzählte eine 29-jährige Zeugin, die in der Buchenallee 7 wohnt. Daraufhin habe sie einen Freund verständigt, der nachsehen sollte, ob alles in Ordnung sei. „Stimmt, ich habe den Angeklagten dann auch noch angetroffen, aber er ist vor mir weggerannt. Als ich hinterher bin, habe ich gesehen, dass Qualm aus dem Keller kam“, schilderte der 27-jährige Zeuge. Anschließend habe er direkt die Feuerwehr verständigt und die Leute aus dem Haus geholt – auch durch ein Fenster sei er eingestiegen und eine Mutter mit zwei kleinen Kindern gerettet. Von dem Angeklagten habe er die ganze Zeit aber nichts mehr gesehen: „Bis er neben mir stand und wissen wollte, ob alles in Ordnung sei.“

Gegen 20.30 Uhr soll der Angeklagte in der Spielothek am Perver Berg nach einem Feuerzeug gefragt haben. „Später kam er wieder herein und meinte: ,Draußen brennt es‘“, so eine Spielothek-Angestellte. Von einem Großeinsatz mit mehreren Wehren sprach der ehemalige Jugendwehrleiter der Salzwedeler Feuerwehr. Der 33-Jährige musste als Einsatzteilnehmer vor Gericht aussagen.

Am Dienstag, 9. Mai, soll die Verhandlung ab 9 Uhr fortgesetzt werden.

Von Katja Lüdemann

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