Nach Fachvortrag im Diesdorfer Museum ist lebhafte Diskussion entbrannt

Wolf: Signale aus Brüssel und Berlin sind gefragt

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Eine Schafherde ist trotz Elektrozaun leichte Beute für Isegrim, wenn dieser einmal gelernt hat, diesen zu überspringen. Laut Parteiprogramm der Grünen soll eine Förderung der Neueinrichtung und der Modernisierung von Weidesystemen erfolgen.

Diesdorf / Altmark. Um die zunehmenden Wolfsbestände in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Deutschland und ganz Mitteleuropa zu managen, sei dringend die Politik gefragt, lautete der Konsens von Wolfsbefürwortern und Wolfskritikern in Diesdorf.

Nach dem Fachvortrag von Theo Grüntjens zum Wolf im Freilichtmuseum (wir berichteten) ist nun eine lebhafte Diskussion entbrannt.

Sachsen-Anhalts Landesjagdverbands-Präsident Dr. Hans-Heinrich Jordan (r.) im Gespräch mit dem Wolfsexperten Theo Grüntjens in Diesdorf.

Denn der derzeitige Stand in Sachen Wolfsmanagement ist eine ziemlich verfahrene Situation. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und die CDU auf der einen Seite halten die aktuellen Wolfsbestände für das obere, vertretbare Limit. Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90 / Die Grünen) will gemäß der Leitlinien ihrer Partei die Akzeptanz des Wolfes als heimische Tierart vorantreiben.

Die Leitlinie Wolf soll einen Verfahrensvorschlag zur Definition von sogenannten Problemwölfen enthalten. Es muss ferner geklärt werden, wann vergrämt wird und wann Einzeltiere entnommen werden dürfen. Außerdem soll laut Parteiprogramm der Grünen eine Förderung der Neueinrichtung und der Modernisierung von Weidesystemen erfolgen.

„Eigentlich sollte doch der Regierungschef die Richtung vorgeben“, meint Mario Schneegaß von der Salzwedeler Jägerschaft. Laut Sachsen-Anhalts Landesjagdverbands-Präsident Dr. Hans-Heinrich Jordan aus Jübar haben die politischen Koalitionspartner in Magdeburg offenbar komplett unterschiedliche Positionen, was die Frage um die Zukunft des Wolfes erschwert.

Eine ähnliche Konstellation bahne sich nun auch in Berlin an, so Jordan. Fazit: Eine schnelle politische Lösung in Sachen Wolfsmanagent sei auch von dort nicht zu erwarten: „Dabei ist die Politik jetzt dringend am Zug. Einfach den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, kann die Lösung nicht sein“, sagte Hans-Heinrich Jordan. Man brauche eine Veränderung des strengen Schutzstatus beim Wolf sowie deutliche Rechtssicherheit aus Brüssel und Berlin, betonte der Präsident. Auch die niedersächsische Jägerschaft sehe das ähnlich.

Wie Theo Grüntjens betonte, müssten Jäger im Falle einer sogenannten Entnahme von Problemwölfen speziell geschult werden. „Wenn ein falscher Wolf aus dem Rudel geschossen wird, kann das katastrophale Folgen für die gesamte Population haben“, so Grüntjens. Diese kann sich dann unter Umständen auf einen Schlag vervielfältigen, falls das strenge wölfische Sozialgefüge (Rangordnung) im Rudel durcheinandergerät.

Auf einen ganz anderen Aspekt der hohen Reproduktionsraten beim Wolf weist der Peckensener Weidmann Herbert Janeke hin. Er glaubt an einen Zusammenhang der gestiegenen Wildunfallzahlen am Tage mit den Wolfsaktivitäten. „Dafür gibt es aus meiner Sicht derzeit keinen Beweis. Wir müssen aber diese neuen Wildunfallstatistiken vorliegen haben, um Rückschlüsse ziehen zu können“, sagte Dr. Jordan. Wolfskritiker Herbert Janeke legte bezüglich des Vortrages von Theo Grüntjens nach: „Hier im Osten kommen noch Leute und hören sich das alles an. In Niedersachsen und in der Heide kann sich Theo Grüntjens beim Thema Wolf kaum noch sehen lassen. Die Jäger dort sind alle stocksauer.“

Von Kai Zuber

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