Schafsrisse: Experte ist sich sicher

„Es war der Wolf“

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Schafe mit Elektrozaun: Gegen den Wolf technisch hochzurüsten, kostet Zeit und Geld. Die Industrie hat sich auf die steigende Nachfrage längst eingestellt.

Altmark – Emotionen sind in Sachen Wolf eher unangebracht. Allein die Fakten sprechen eine deutliche Sprache hinsichtlich der Ausbreitung von Canis lupus.

Das Senckenberg Forschungsinstitut in Gelnhausen, welches nach dem Rissgutachten in Schadeberg mit 19 getöteten Tieren die DNA-Untersuchung vornehmen soll, ist „derzeit völlig überlastet“. Das sagte auf Anfrage der Altmark-Zeitung der Forstamtmann und Sachbearbeiter für Nutztierrissbegutachtung Peter Oestreich vom altmärkischen Wolfskompetenzzentrum Iden.

Nur Einzelwölfe im Revier? Beobachter gehen davon aus, dass sich zwischen Winterfeld und Diesdorf längst ein Rudel gebildet hat.

Denn auch in anderen Landesteilen fielen in den vergangenen Wochen dutzende von Rissgutachten mit entsprechenden DNA-Proben an. Mehr DNA-Proben bedeuten also mehr Probleme mit Isegrim. Zum blutigen Massaker im Diesdorfer Ortsteil Schadeberg sagte Oestreich: „Es war zu 90 Prozent der Wolf. Das sagt mir nicht nur mein Bauchgefühl. Ich habe da keine Zweifel.“

Oestreich hat bereits einen amtlichen Brief an den betroffenen Reddigauer Schäfer Siegmar Wilde geschickt. „Damit kann der Schäfer dann Entschädigung beantragen, ohne dass wir auf das DNA-Ergebnis warten müssen“, macht der Experte vom Wolfskompetenzzentrum deutlich. Derzeit weilt Oestreich auf einer Wolfs-Konferenz in Salzburg. „Es geht dort um Herdenschutz, die Organisation von Fördergeldern, EU-Kompetenzen und natürlich auch um die neuesten Schutzzäune für Schafhalter. Denn natürlich will in Sachen Wolf auch die Industrie ordentlich mitverdienen.“

Blutbad

Rückblick: Mitte Dezember hatten offenbar mehrere Wölfe bei Schadeberg ein Blutbad auf eine Weide angerichtet. Dabei wurden 19 zumeist tragende Tiere getötet. Zwei weitere Schafe sind nach der grausamen Rudel-Attacke verschleppt worden. Sie waren trotz intensiver Suche nicht auffindbar und wie von der Bildfläche verschwunden. Sechs Tiere sind verletzt und wurden unter anderem mit Penicillin behandelt. Die Mutterschafe sind durch Bisse in die Kehlen getötet worden (wir berichteten).

Das Wolfskompetenzzentrum Iden begleitet fachlich die Wiederansiedlung des Wolfes in Sachsen-Anhalt. Seine zentralen Aufgaben sind in der Leitlinie Wolf festgehalten und umfassen unter anderem das Monitoring, den Herdenschutz und die Nutztier-Rissbegutachtung.

Jäger im Visier

Bei jedem Übergriff wird laut Wolfskompetenzzentrum Iden die Situation individuell bewertet. Für Entschädigungs- und auch Förderungszahlungen (Schutzzäune) ist das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) zuständig. Aber Wölfe greifen nicht nur Schafe, sondern auch Hunde an. In Jägerkreisen ist man daher sehr besorgt, denn laut dem Deutschen Jagdverband (DJV) will die Staatsanwaltschaft Brandenburg einen Jäger anklagen, weil er einen Wolf tötete, der unter Zeugen Jagdhunde angegriffen hat. Aufgrund drohender strafrechtlicher Risiken sollten Jäger keine Hunde mehr in Wolfsgebieten einsetzen.

Der Deutsche Jagdverband fordert Bund und Länder immer wieder auf, Rechtssicherheit zu schaffen. In Deutschland lebt in jedem fünften Haushalt ein Hund, insgesamt etwa 9,4 Millionen Tiere. Der Jagdverband appellierte, bei Wolfsattacken umgehend einen Tierarzt einschalten und eine DNA-Probe sichern lassen. Der Nachweis von Wolf-DNA sei nur wenige Stunden möglich. Viele Wunddesinfektionsmittel machen zudem Proben unbrauchbar. Die meisten Wolfsangriffe auf Hunde gibt es in Skandinavien von Oktober bis Dezember – zwischen 1995 und 2018 über 600. Laut Norwegian Institute for Nature Research endeten 400 davon für den Hund tödlich. Der DJV geht derzeit davon aus, dass auch in Deutschland die Zahl der Übergriffe auf Hunde in den nächsten Jahren zunehmen wird.

VON KAI ZUBER

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