Einwohner bleiben überwiegend gelassen

Wohnungen für Flüchtlinge: „Hier gibt es kein freies WLAN“

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„Hier sitzen Rentner. Da interessiert es niemanden, ob die zum Arzt kommen oder nicht“, entgegnete Liestens Ratsmitglied Sigmar Pätzhold (l.) auf die Erläuterungen von Kreisdezernent Eckhard Gnodtke (r.) zum Thema Grundversorgung von Asylbewerbern. Dazu gehört im Normalfall neben Schule, Nahverkehr und Einkaufen auch ein Mediziner in der Nähe. Pätzhold wunderte sich weiter: „Den Flüchtlingen wird etwas vorgespielt, was es hier nicht gibt. Deutschland ist kein Schlaraffenland.“

Liesten. Die Ortschaftsratssitzung in Liesten ist selten so gut besucht gewesen wie die am Montagabend im Feuerwehrversammlungsraum. Der Grund dafür lag an der brisanten Tagesordnung. So ging es um das Unterbringen von Asylbewerbern im kleinen Salzwedeler Ortsteil.

Konkret geht es um vier Wohnungen in den Blöcken am Ortsausgang nach Depekolk. Um Gerüchten und Spekulationen vorzubeugen, erläuterte Dezernent Eckhard Gnodtke von der Kreisverwaltung die allgemeine Flüchtlingssituation im Altmarkkreis sowie die spezielle Lage in Liesten.

Wann und ob das Dorf überhaupt Asylbewerber aufnehmen muss, stehe laut Gnodtke noch nicht fest. Der Kreis wolle zudem auf dem Land ausschließlich Familien und keine Einzelpersonen unterbringen. Sollten die Fremden tatsächlich in Liesten einziehen, stehe eine Betreuerin aus Zierau bereit, sagte Gnodtke vor den Anwesenden.

Ehemalige und aktuelle Bewohner der Blöcke berichteten, dass die betroffenen Wohnungen schon hergerichtet worden seien. „Die kommen doch mit den Öfen gar nicht zurecht“, meinte eine Frau. „Es gibt doch kein freies WLAN hier – die hauen wieder ab“, sagte ein Mann.

Die Kreisverwaltung rechnet damit, dass weniger als ein Drittel derjenigen, die Asyl erhalten, später in der Region bleibt. Ähnliche Erfahrungen seien Anfang der 90er-Jahre mit Russlanddeutschen gemacht worden, so Gnodtke.

Von Jens Heymann

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