Zwei halten durch / Die ersten sind auch die letzten Händler / Danicke hat Frischemarkt im Visier

Wochenmarkt „kaputtgeredet“

+
Renate Becker aus Kalbe und Klaus Brüning aus Darsekau gehören zu den Urgesteinen, stehen seit 1990 auf dem Salzwedeler Wochenmarkt. Gestern waren sie die einzigen auf einem Markt, den es offiziell gar nicht mehr gibt.

Salzwedel. Noch immer stehen einzelne Händler dienstags auf dem Salzwedeler Marktplatz. Und so fällt es gar nicht auf, dass es den Salzwedeler Wochenmarkt seit dem 8. August offiziell gar nicht mehr gibt.

Doch: Auch als es ihn noch gab, waren kaum Händler auf dem Areal, das die Stadt für 760 000 Euro extra als Marktplatz herrichten ließ.

Im Juli einigten sich Werbegemeinschaft und Stadt darauf, den Wochenmarktvertrag im gegenseitigen Einvernehmen aufzulösen. Der Grund war das geringe Interesse der Händler. Zudem gab es immer wieder Streit: Die einen wollten an die Breite Straße, hofften dort auf mehr Laufkundschaft, die anderen wollten auf dem Platz am Bürgercenter bleiben.

„Es wurde alles kaputtgeredet“, sind sich Renate Becker aus Kalbe (Textilien) und Klaus Brüning aus Darsekau (Obst, Gemüse, Eier) einig. Beide gehören zu den Urgesteinen, standen schon 1990 auf dem Salzwedeler Wochenmarkt – so wie auch gestern. Da waren die beiden Altmärker die einzigen. Denn inzwischen hat auch Heiko Seifert alias „Socken-Theo“ aus Arendsee aufgegeben. Er hatte noch im August zum Durchhalten aufgerufen und angekündigt auszuharren, bis man ihn wegtrage.

Ordnungsamtsleiterin Christina Schramm habe ihm dann im Auftrag mitgeteilt, dass es keinen Wochenmarkt mehr in Salzwedel gebe und nicht mehr kommen möge. Seitdem steht „Socken-Theo“ in Osterburg. Allerdings hätten seine Salzwedeler Kunden schon telefonisch bei ihm nachgefragt, wo sie denn nun ihre Füßlinge für den Winter herbekämen, so Seiffert. Und er hat auch gleich die Antwort parat: „Geht zu eurer Oberbürgermeisterin und fragt, ob ich wiederkommen darf.“

Sabine Danicke stellt sich die Marktfrage derweil anders. Nachdem der offizielle Wochenmarkt abgeblasen wurde, dürfen nur noch so genannte Selbstversorger, die aus ihren Gärten oder privaten Tierhaltungen Produkte anbieten, auf dem Platz am Bürgercenter stehen – keine professionellen Händler. Doch das Thema Markt auf dem Marktplatz ist für die Oberbürgermeisterin noch nicht vom Tisch. „Dafür wurde der Platz ja auch ausgebaut“, sagt die Oberbürgermeisterin auf AZ-Nachfrage. Festlegen will sie sich noch nicht, da „die Gespräche noch laufen“. Die grobe Richtung indes ist klar. „Es läuft auf einen Frischemarkt zu“, blickt Danicke vor-aus, „und da gehören Socken nicht unbedingt dazu“. Wie in zahlreichen anderen Städten sollten qualitativ gute und vor allem frische Produkte angeboten werden. Dazu ein familienfreundliches Umfeld, und über den Wochenmarkttag Dienstag müsse man auch noch einmal nachdenken, so die Stadtchefin.

Von Holger Benecke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare