Von Woche zu Woche

Von unangenehmen Wahrheiten

Die Stadt sei nur dreckig, haben die Salzwedeler Lessing-Ganztagsschüler festgestellt. Auf der Hauptversammlung der Werbegemeinschaft kamen kaputte Straßenlampen, Vandalismus und Schmierereien zur Sprache. Am selben Tag die Schlagzeile, dass die „Müllsituation“ in der Salzwedeler Innenstadt eskaliere.

Und dass Randalierer im Park des Friedens ganze „Arbeit“ geleistet und die Steinbühne zerstört hätten. Keine Frage, für die Kreisstadt war es eine Woche der (unangenehmen) Wahrheiten, das breite Thema „Verschandelung“ zieht sich eigentlich schon seit Monaten wie ein roter Faden durch die Berichterstattungen.

Und mittlerweile gibt es erste mahnende Stimmen, es werde alles schlecht geredet, das sei das eigentliche Problem. Fest steht: Sauberkeit ist wohl in jeder Stadt ein sensibles Thema, zufrieden ist niemand, Verbesserungsbedarf gibt es allerorts. Wer mit offenen Augen durch Salzwedel geht, dem muss aber auch auffallen, dass es einfach zu viele unschöne Ecken gibt, die den Gesameindruck trüben. Doch wie soll man damit umgehen?

Die Stadt „niederschreiben“, wie mancher der Zeitung unterstellt, will niemand. Schließlich leben und wohnen die Mitarbeiter einer Lokalredaktion selbst hier und haben großes Interesse, ihre Stadt voranzubringen. Einen Königsweg gibt es da natürlich nicht – aber eines ist für einen Journalisten unabdingbar: Wenn es Missstände gibt, muss er den Finger in die Wunde legen. Und wenn das Thema Sauberkeit seit langem Stadtgespräch ist, dann ist es geradezu seine Pflicht, darauf einzugehen und sich damit intensiv auseinanderzusetzen.

Denn das unterscheidet eine Lokalzeitung von einem überregionalen Blatt. Leser und Redakteure kennen sich unterein-ander, man trifft sich in Vereinen, auf Ratssitzungen, auf dem Fußballplatz... Das beinhaltet eine besondere Verbindung zur Region und auch eine besondere Verantwortung. Denn anders als Reporter überregionaler Medien ist der Lokalredakteur auch am nächsten Tag, in der nächsten Woche, im nächsten Monat vor Ort in der Stadt.

Und er kann direkt angesprochen werden auf seine Artikel. Ob telefonisch – jede Durchwahl steht in der Zeitung – oder ein persönlicher Besuch in der Redaktion; der kurze Draht zum Leser ist das, was eine Lokalzeitung auszeichnet. Und es gehört auch dazu, dass man sich an den Beiträgen in der Zeitung reibt, dass man sich mit ihnen kritisch ausein-andersetzt.

Sei es der Kommentar des Redakteurs zu Plänen, die Putenmast in Arendsee von 14 000 auf 26 000 Tiere zu erhöhen. Oder die Diskussion in Klötze, dass die Stadt mit der Pflege der Grünflächen nicht mehr hinterher kommt. Sagen Sie uns, liebe Leser, Ihre Meinung, wir drucken sie gerne. Denn mit der Macht der Öffentlichkeit kann viel bewegt werden in einer Stadt. Und auch mancher Missstand, der früher als unvermeidlich galt, ist dann plötzlich doch abzustellen.

Von Thomas Mitzlaff

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