Pandemie schnürt Gastronomen die Lebensgrundlagen ab / Hilfen nur verhalten

Corona: Salzwedeler Wirt muss Hartz IV beantragen

„Crazy World“-Wirt Uwe Schwieger muss Hatz IV beantragen. „Es geht nicht mehr“, sagt der Wirt, die Pandemie schnürt ihm die Lebensgrundlagen ab.
+
„Crazy World“-Wirt Uwe Schwieger muss Hatz IV beantragen. „Es geht nicht mehr“, sagt der Wirt, die Pandemie schnürt ihm die Lebensgrundlagen ab.

Salzwedel – „Ich weiß nicht mehr, wovon ich leben soll und muss Hartz IV beantragen“, sagt Uwe Schwieger. Den Gastwirt vom „Crazy World“ haben die Auswirkungen der Corona-Pandemie voll erwischt.

Schon während des ersten Lockdowns musste er sein Lokal von März bis Mai drei Monate lang schließen. Seit dem 2. November hat er erneut dichtmachen müssen wegen der Pandemie.

GEMA sowie ARD und ZDF wollen trotz geschlossener Kneipe für diese die Jahresgebühren haben.

Aber die vom Bund zugesagten Hilfen? Dafür hat Schwieger nur ein müdes Lächeln übrig. Die Novemberhilfe kam am 23. Dezember. „Aber nur die Hälfte“, sagt Schwieger. Gestern wurde ihm per Mail die zweite Hilfe angekündigt – für Dezember. „Von der zweiten Hälfte der Novemberrate ist keine Rede mehr“, ist Schwieger von den Socken. Übrigens soll für die Dezember-Hilfe auch nur die Hälfte kommen, versteht der Wirt die Welt nicht mehr. Und noch eins: Die Corona-Hilfen müssen versteuert werden, weiß Schwieger. „Das ist ein ganz schöner Happen.“

Schon im ersten Lockdown hatte er Hartz IV beantragen müssen. Nun muss er erneut zum Amt. „Meine Lebensgefährtin bekommt nur eine schmale Rente und unsere gemeinsame Tochter studiert“, schildert der 61-Jährige seine Situation.

Auch in seiner Gaststätte sieht es nicht gerade rosig aus. Die Lager sind voll und so langsam nähern sich die Getränke dem Verfallsdatum. „Das Bier läuft ab“, sagt Uwe Schwieger und kommt damit der Sache ziemlich nahe, was damit passiert, wenn das Datum heran ist – ab in den Orkus. „Die Brauereien nehmen nichts zurück“, so der Wirt. Und neben dem Bier sind es auch noch Fanta, Cola, Sprite, die Schwieger dann entsorgen kann. Für ihn sind das enorme Verluste. „Das kann ich alles nur noch verschenken oder wegkippen“, sieht der Gastwirt keine Alternative mehr.

Damit immer noch nicht genug: Gestern flatterten dem „Crazy“-Wirt zwei Jahresrechnungen für seine Kneipe ins Haus – eine von ARD und ZDF, die andere von der GEMA. Schwieger soll bezahlen. „Ich hatte doch gar nicht auf“, kann Uwe Schwieger das alles nicht mehr nachvollziehen. „Offenbar wissen die nicht, was Corona ist“, schwillt Uwe Schwieger der Hals.

Ihm bleibt nichts weiter übrig: Er muss einen Hartz-IV-Antrag ausfüllen. Denn, wann die Gaststätten wieder öffnen dürfen, steht in den Sternen. Uwe Schwieger rechnet damit nicht vor April. Wenn überhaupt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare