Altmarkkreis baut in Salzwedel aus und sucht noch mehr Wohnungen

„Wir sind auf weitere Asylbewerber eingestellt“

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Kreis-Dezernent Hans Thiele (l.) und Holger Herrmann, Leiter der Gemeinschaftsunterkünfte im Altmarkkreis, schauten sich den Dachboden des Salzwedeler Gebäudes an. Dieser soll ausgebaut werden, damit mehr Asylbewerber aufgenommen werden können.

Salzwedel. „Hausordnung des Altmarkkreises Salzwedel“ steht auf einem Zettel an der Wand, in der Mitte befindet sich ein Board mit der Bibel. In dieses Büro kommen Asylbewerber, wenn sie etwas brauchen. Es gehört zur Salzwedeler Gemeinschaftsunterkunft auf dem Fuchsberg.

Dort befindet sich der Arbeitsplatz von Holger Herrmann. Der Leiter hat nicht nur die Regeln in verschiedenen Sprachen parat sondern kann über Videokameras Innen- und Außenbereiche kontrollieren. „Das Gebäude wird aus Sicherheitsgründen überwacht. Zwischenfälle hat es aber noch keine gegeben“, erklären Holger Hermann und der zuständige Kreis-Dezernent Hans Thiele, bevor sie der Altmark-Zeitung bei einem Rundgang die einstige Kaserne zeigen. Das Gebäude muss ausgebaut werden.

500 000 Euro nötig

Während des Rundganges durch die sauberen Flure fällt auf: An Stahlbeton wurde beim Bau in den 1930er Jahren nicht gespart. „Dies macht die nötige Vergrößerung der Fenster im Dachgeschoss aufwendig“, weiß Hans Thiele. Trotzdem sollen die Pläne für rund 500 000 Euro umgesetzt werden. Danach können 85 statt 55 Menschen eine vorübergehende Bleibe finden. Die Brandschutzanlage ist schon neu. Zum Sicherheitskonzept gehören Rettungspläne. Diese wurden zudem auf Arabisch übersetzt, da viele Asylbewerber aus Krisengebieten wie Syrien stammen.

Plan auf arabisch

Über die Flure lassen sich die Gemeinschaftsküchen schnell erreichen. Dort wurden vor allem Steinplatten und Metall verarbeitet. „Das hat mit dem Brandschutz zu tun“, erklärt Holger Herrmann und macht keinen Hehl daraus, dass in manchen Kulturen sehr ausgiebig gekocht wird. Der Dampf löst schon mal einen Alarm aus. Auch das Thema Lüften spielt eine Rolle. Einige Asylbewerber sind dies aus ihren Ländern wegen des dortigen Klimas nicht gewöhnt. „Wir müssen schon mal Zwangslüften, damit es nicht zu Schimmel kommt“, so Hans Thiele. Für ihre Zimmer sind die Bewohner selbst zuständig, beim Waschen der Kleidung gibt es Hilfe.

„Wir sind auf weitere Asylbewerber eingestellt“, beschreibt der Kreis-Dezernent. Während der Ausbau der Salzwedeler Gemeinschaftsunterkunft noch geplant wird, ist ein altes Verwaltungsgebäude in Gardelegen saniert worden. Dort können bis zu 35 Menschen – überwiegend Familien – leben. Wenn die Arbeiten in Salzwedel fertig sind, verfügt der Kreis über 120 Plätze. Die Asylbeweber sollen bis zu drei Monate in den Unterkünften bleiben und dann in Wohnungen umziehen. Der Altmarkkreis kümmert sich um die Verträge, der Staat bezahlt 3,50 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete. Dabei wird darauf geachtet, dass das Domizil in einem vernünftigen Zustand ist.

Dolmetscherin hilft

Nicht alle Bewerber bleiben in der Altmark, einige zieht es in die Großstädte, andere müssen oder wollen wieder in ihre Heimatländer zurück. Damit sie sich auch nach kurzer Zeit zurechtfinden, bietet die Arbeiterwohlfahrt Hilfe an. Dazu zählen Sprachkurse sowie Unterstützung bei Alltagsdingen wie Einkaufen. Dafür wurde eine Dolmetscherin engagiert. Um Konflikte zu vermeiden sollen Asylbewerber nicht alleine in einem Haus leben. Ein Beispiel: Acht angemietete Wohnungen in Kalbe befinden sich mit Absicht in verschiedenen Aufgängen. „Die dort lebenden heimischen Familien wurden vorher informiert. Wir wollen Berührungsängste, die durch Sprachgbarrieren entstehen, abbauen“, erklärt Hans Thiele. Dies wird 2014 noch mehrmals nötig sein. Mit rund 140 Asylbewerbern werden wohl so viele kommen, wie schon lange nicht mehr. 2013 waren es 121.

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