Stadtrat Jürges will Verwaltung an die Kandarre nehmen

„Wir sind nicht zum Feiern gewählt“

Heiko Werner: „Ohne Politessen – aber nicht ohne Lebensqualität.“

Salzwedel. Die Strafzettelflut im Salzwedeler Knöllchenviertel ist auf das Internet übergeschwappt. Dort wurde auf Facebook bereits eine eigene Gruppe gegründet „Da Gaetano muss bleiben“.

Fast 500 Mitglieder engagieren sich dafür, wollen Unterschriften sammeln und vors Rathaus ziehen – so ihre Ideen. Zu der Gruppe gehört auch Heiko Werner – Kunde und Nachbar vom „Da Gaetano“ und fleißiger Strafzettelsammler im Knöllchenviertel. „Wenn du morgens um 8 Uhr nicht an deinem Auto bist . . . um 8.10 Uhr hast du verloren“, beschreibt Werner. Und weiter: „Wer da nicht wohnt, kann da nicht mitreden. “ Wenn Gaetano Caliva geht, ist das nicht nur für Heiko Werner „ein Verlust an Lebensqualität in Salzwedel“. Was bleibt, sind dann die abkassierenden Damen, ist sich der Westermarktstraßenanlieger sicher. „Frau Merkel hat Recht gehabt – das ist hier eine Dagegen-Republik“, sagt Werner und würde viel lieber eine Verständigung zwischen Verwaltung und Bürgern sehen. „Es gibt keinen Dialog, weil versucht wird, das Problem mit Knöllchen zu regeln“, ärgert sich der Salzwedeler. Denn von sonnabends, 13 Uhr, bis montags, 8 Uhr, funktioniere es doch im Knöllchenviertel auch – ohne Politessen.

Michael Fornalski rät, sich vom benachbarten Lüchow etwas abzuschauen: „Dort hat jeder 15 Minuten Zeit – ob zum Be- oder Entladen oder zum Einkaufen. Das nenne ich bürgerfreundlich.“

Und das ist das Stichwort für Stadtrat Frank Jürges (Salzwedel-Land). Der Ortsbürgermeister von Wieblitz-Eversdorf sieht in dem Gastronomen Gaetano Caliva, dem Bauleiter Daniel Mindach und der schwerbeschädigten Familie Betge, die im Knöllchenviertel unter dem Verwaltungsdruck ächzen, nur die Spitze des Eisbergs. „Die Verwaltung hat sich verselbstständigt“, meint Jürges und bekam dies auch schon selbst zu spüren. Denn in Wieblitz-Eversdorf, das ja ein Stadtteil von Salzwedel ist, wurde der Osterfeuerplatz mit einer Schranke und einer Kette dichtgemacht. Ohne den Wehrleiter, geschweige denn den Ortschaftsrat und schon gar nicht den Bürgermeister zu informieren, ist Jürges im Harnisch.

„Stadtratsbeschlüsse enden darin, dass die Verwaltung am nächsten Tag macht, was sie will.“ Jürges erinnert daran, dass der Stadtrat von den Bürgern gewählt wurde, um zu deren Wohl zu agieren und die Verwaltung die Beschlüsse des Rates umzusetzen hat. „Die erste Aufgabe des Stadtrates ist es, den Haushalt zu sanieren und nicht uns anzuhören, dass die Oberbürgermeisterin hauptsächlich von den nächsten Feiern redet. Wir sind nicht zum Feiern gewählt worden“, macht Jürges seinem Unmut Luft.

Jürges befürchtet, dass nicht nur Caliva geht, sondern ihm weitere Geschäftsleute folgen werden, so, wie es auch in der Vergangenheit passiert ist. Deshalb müsse sich die Verwaltung, die selbst kaum etwas erwirtschaftet, auch um die Steuern zahlenden Geschäftsleute kümmern, meint Stadtrat Jürges. Und: „Das heißt nicht, dass sie zu allem ja sagen müssen.“

Von Holger Benecke

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