Corona-Lockerung für Außengastronomie: Die Wirte zahlen drauf

„Wir machen ganz auf oder gar nicht“

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Uwe Schwieger ist fast täglich im „Crazy World“. Durch die Pandemie ist seine Kneipe nun schon fast zehn Monate dicht – eine hohe psychische Belastung für den Wirt.
  • Holger Benecke
    vonHolger Benecke
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Wenn die Inzidenzwerte fünf Werktage hintereinander unter 100 sind, wäre Außengastronomie möglich. „Ich mache nicht auf“, sagt „Crazy World“-Wirt Uwe Schwieger. Und hat seine Gründe: „Es rentiert sich nicht“, schätzt er ein. Er könnte vor seiner Kneipe und im Hof Tische aufstellen. „Doch wie will ich das kontrollieren?“, fragt er. Wenn er drin zapft und draußen sich jemand dazusetzt oder zum Erzählen stehen bleibt: „Wir müssten zu zweit arbeiten, und dann rentiert es sich nicht mehr.“

Salzwedel - Das nächste Problem – die Öffnungszeiten. „Von wann und bis 22 Uhr?“, schüttelt Schwieger den Kopf. „Was ist, wenn zwei Gäste zur gleichen Zeit auf die Toilette gehen? Wie will ich das kontrollieren, wenn ich gerade draußen bediene?“, sieht Uwe Schwieger den Kontrollaufwand größer als den seines eigentlichen Geschäfts: Gastwirt.

Kontrollaufwand ist zu hoch

Weitere Kontrapunkte: „Es sind zu wenig junge Menschen geimpft, also mein Publikum.“ Und: „Wenn ich mit einem Riesenaufwand für ein paar Plätze Außengastronomie öffne, muss ich die Fixkosten zurückzahlen.“

Zutritt nur mit negativem Testergebnis – da müsse er außerdem Tests vorhalten, falls ein Gast ohne kommt. Schwieger selbst hat sich bereits impfen lassen. Seine zweite Dosis bekommt er am 7. Juli. „Ich muss geimpft sein, um arbeiten zu können. Außerdem müsste ich noch bis zum 21. Juli abwarten“, macht er deutlich. Und sieht vor allem durch den unübersichtlichen Betrieb von Außengastronomie durch die Besucher weitere Gefahren.

„Ich will nicht dafür verantwortlich sein, dass sich Corona weiter ausbreitet“, begründet er, dass das „Crazy World“ nicht für Außengastronomie öffnen wird. Schwieger will abwarten, bis die Gastronomie wieder komplett öffnen kann. „Dann bin ich dabei“, freut er sich schon. So putzt und werkelt er fast täglich im „Crazy World“ und hofft auf eine baldige Öffnung. Insgesamt hat er nun fast zehn Monate nicht arbeiten dürfen: „Das zerrt an den Nerven, geht auf die Psyche.“

Jennever Seitz vom „Kuhfelder Hof“: „Wir machen ganz auf oder gar nicht.“

„Außengastronomie? Nö“, kommentiert Jennever Seitz, die Inhaberin vom „Kuhfelder Hof“, kurz und knapp. „Das rentiert sich nicht. Wir haben mehr Ausgaben als Einnahmen“, verweist sie auch auf Gäste, die kurzfristig kommen wie Biker, die im „Kuhfelder Hof“ gerne einen Zwischenstopp einlegen. „Für diese Kunden müssten wir dann Tests vorhalten“, listet Jennever Seitz zusätzliche Ausgaben auf.

„Wir machen ganz auf oder gar nicht“, nennt sie die Marschrichtung. Und weiter: „Wir Gastronomen sind durch die Pandemie schon genug gebeutelt, da müssen wir nicht jetzt auch noch draufzahlen.“

„Es scheint so, dass es Hoffnung gibt“

Ähnlich argumentiert auch Lutz Winkelmann, Betreiber von „Lutzes Butze“. „Wie es weitergeht, das kann man nicht wissen“, macht er deutlich. Wenn die Außengastronomie wieder möglich sein wird, dann „sind wir dabei“. Allerdings müsse dafür der Inzidenzwert fünf Tage hintereinander unter 100 liegen. „Wobei dabei das Wochenende nicht mitgezählt wird“, berichtet Winkelmann. Und doch: „Es scheint so, dass es Hoffnung gibt, aber man weiß es nicht“, sagt der Gastwirt.

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