Kuhfelder Sportler sind stinksauer über offenen Brief

„Wir lassen uns nicht als Nazis bezeichnen“

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Das „Dorfstadion der Freundschaft“ soll angeblich von „Hakenkreuz Kuhfelde“ beherrscht werden. So nennt es ein offener Brief einer Initiative, die sich „Augen auf“ nennt.

Kuhfelde. Der Kuhfelder Sportverein soll ein Sammelbecken Rechtsgesinnter sein. Das jedenfalls wird in einem offenen Brief zu rechter Gewalt in Salzwedel von einer Initiative, die sich „Augen auf“ nennt, suggeriert.

„Wir lassen uns nicht als Nazis bezeichnen“, sagt Kathrin Vorpahl, die Vorsitzende des Kuhfelder Sportvereins von 1949. Und mit ihr sind 212 weitere Vereinsmitglieder stinksauer. Zumal das Schreiben die Kuhfelder Fußballer als „Hakenkreuz Kuhfelde“ betitelt. Ronny Kupke, der Abteilungsleiter der Kicker, spricht von „Rufmord“. „Es gibt bei uns im Verein keine rechten Akteure“, macht Kathrin Vorpahl klar.

Der offene Brief hingegen zeichnet das düstere Bild einer rechten Hochburg in und um Salzwedel, die von „Nazis nach Feierabend“ beherrscht und tyrannisiert wird. Von rechten Parolen auf dem Schulhof, Pöbeleien, rassistischen Beschimpfungen und „Nazis als Security bei Stadtfesten und im größten Supermarkt der Stadt“ wird aufgelistet.

Achselzucken bei der Polizei. „Wir haben keinen Anstieg von rechten Straftaten zu verzeichnen“, sagt Frank Semisch, Pressesprecher des Salzwedeler Reviers. „Wir haben in diesem Jahr nur eine einzige“, nennt er einen vermeintlichen Überfall auf das autonome Zentrum an der Altperver Straße in der Nacht zum 6. Juni.

Und auch im vergangenen Jahr bewegten sich die politisch motivierten Straftaten im Altmarkkreis mit 104 Fällen „im unteren Bereich“ im Land Sachsen-Anhalt, hatte unlängst der Leiter des Staatsschutzes, Andreas Busack, zusammengefasst. In fünf Fällen davon wurde Gewalt angewendet, 32 weitere gehören zum Spektrum Propaganda (Hitlergruß, Hakenkreuzschmierereien usw.), und die übrigen 67 umfassen den Rest wie das Beschmieren oder Zerstören von Wahlplakaten.

37 Straftaten gingen auf das Konto von Rechten und 18 auf das der linken Szene. In Sachen Gewalt (vier Straftaten) und Propaganda (25) haben die Rechten ihr Spektrum ausgeweitet. Hingegen machen die Linken null Propaganda und haben eine Gewaltstraftat verübt. Dafür sind sie beim Herunterreißen von Plakaten schneller bei der Hand (17).

Wie dem auch sei: Den 213 Kuhfelder Sportlern ist gewaltig der Kamm geschwollen, dass sie in eine rechte Ecke gestellt werden. Sie fordern eine Entschuldigung und Richtigstellung und haben bereits einen Anwalt eingeschaltet.

Von Holger Benecke

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