„Wir haben immer gesagt: Das kann passieren ...“

Salzwedel / Wittstock – Von Holger Benecke

Unbeirrt von den Ereignissen in Kanada – unkontrollierter Austritt von in einem Erdölfeld verpresstem CO2 – laufen in Deutschland die Feldversuche weiter. Nicht wie ursprünglich geplant in der Altmark, sondern in Wittstock. Die Bürgerinitiative (BI) „Kein CO2-Endlager Altmark“ war am Donnerstag in Wittstock vor Ort.

„Wir haben immer gesagt: ,Das kann passieren.‘ Jetzt ist es passiert.“ BI-Sprecher Lothar Lehmann verweist auf die Ereignisse in Kanada. Dort wurden seit 2000 täglich 6 000 Tonnen CO2 in ein Erdölfeld verpresst, um dessen Ausbeute zu erhöhen. Fünf Jahre lang kontrollierten die Behörden, meinten danach, dass alles sicher sei. Doch dann kam das CO2 an die Oberfläche, trat aus zwei Teichen in einer Kiesgrube aus. Bislang gab es nur tote Tiere in der dünn besiedelten Region.

Doch wie kam das verpresste Kohlendioxid nach oben? Eben genau auf einem ähnlichen Leckageweg, wie sie auch für die Altmark in Frage kommen. Denn dort sind neben den potenziell an erster Stelle stehenden über 650 Bohrlöchern auch die Hausbrunnen ein möglicher Weg, erläuterte Lothar Lehmann.

Doch dazu muss das CO2 erst einmal aus über 3 000 Meter Tiefe ins Grundwasser gelangen. In Kanada ist das passiert – wenn auch „nur“ aus 1500 Meter Tiefe.

Was passiert, wenn das CO2 ins Grundwasser gelangt, das soll auf einem alten Flugplatz bei Wittstock erprobt werden. Unter der Federführung der Christian-Albrecht-Universität Kiel mit dem Umweltforschungszentrum Leipzig und der Großmann Ingenieur Consulting GmbH in Dresden. Nach Bohrungen in bis zu 21 Metern Tiefe sollen bei Wittstock 432 000 Liter Kohlendioxid in zehn Tagen bis zu 18 Meter tief in einen fließenden Grundwasserleiter gepresst werden.

Das bringt die BI „Kein CO2-Endlager Altmark“ auf den Plan. Die federführende Christian-Albrechts-Universität, so Stefan Quisdorf von der Initiative, sei auch am „Verbundvorhaben EGR Altmark“ aktiv beteiligt. Eben jenes Verfahren, um mit Kohlendioxid Restmengen Erdgas aus Bohrlöchern zu fördern. „Wie neutral die Forschung dabei ist, wird schnell bewusst, wenn man sich die beteiligten Institute und Industriepartner des 4,6 Millionen Euro teuren Forschungsprojektes CO2-MoPa anschaut“, macht die BI in einer Presseerklärung deutlich. So heißt es weiter: „Als Förderer ist dort das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 50 Prozent aufgelistet. Die andere Hälfte finanzieren die Energiekonzerne EnBW, E.ON, RWE, Stadtwerke Kiel, Vattenfall und Win-tershall.“

Lothar Lehmann, Christfried Lenz und Iron Doberstein von der BI waren am Donnerstag auf dem Versuchsfeld bei Wittstock und filmten die dortigen Aktivitäten. Im Anschluss suchten die Aktivisten Wittstocks Bürgermeister auf, der auf seine Stadträte und Gäste zum Neujahrsempfang wartete. Jörg Gehrmann nahm sich Zeit für die drei Altmärker. „Er war nicht informiert worden, dass die Versuche im Zusammenhang mit dem CO2-Endlager stehen“, berichtete Lehmann. Und sagte: „In der Altmark sind die Forschungen verhindert worden, weil Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Reiner Haseloff sich quer gestellt hat.“ Wittstocks Bürgermeister lud deshalb die Altmärker zu einem Rund-Tisch-Gespräch ein, das die BI nun mit ihren Experten vorbereitet.

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