„Das ist Willkür hier“

Beilwurf auf einen Polizisten: Anklage wirft 45-Jährigem versuchten Totschlag vor

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Das angeklagte Ehepaar (2.v.l. und r.) bezichtigte zum Prozessauftakt zwei Polizisten, die als Zeugen gehört wurden, der Lüge.

Stendal / Salzwedel. Er habe die Tür geöffnet und auf einmal sei ihm ein Beil entgegen geflogen, berichtete ein 30-jähriger Polizeibeamter, der am Dienstag als Zeuge vor dem Landesgericht Stendal aussagte.

Dort wird gegen einen 45-Jährigen verhandelt, der am 12. Oktober 2016 bei einer Durchsuchungsmaßnahme in Salzwedel das Beil in vermeintlicher Tötungsabsicht gegen den Beamten geworfen haben soll. Neben versuchtem Totschlag werden ihm sowie zum Teil auch einer Mitangeklagten Bedrohung, Körperverletzung, Beleidigung und falsche Verdächtigung vorgeworfen.

Zum Prozessauftakt nahm der Angeklagte gestern kein Blatt vor den Mund: „Das ist Willkür hier“, rief er und fuhr nicht nur dem Richter, sondern auch der Staatsanwältin beim Verlesen der Anklage immer wieder ins Wort. „Haben Sie einen Befehl der Alliierten, dieses Verfahren führen zu dürfen? Sie sind nicht mein gesetzlicher Richter“, forderte der 45-Jährige den Richter auf, sich zu legitimieren. „Sie sind in einem Rechtsirrtum gefangen“, konterte der Richter in Richtung des Angeklagten.

Neben den beiden Angeklagten wurden zwei Polizisten des Landeskriminalamts gehört, die an besagtem Oktobermorgen die Wohnung des 45-Jährigen und seiner 36-jährigen Ehefrau (wegen Verdachts des unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln) durchsucht hatten. Beide Polizisten bestätigten, die Tür aufgebrochen und eine „Krachgranate“ in die Wohnung geworfen zu haben. Mehrmals hätten sie lautstark auf sich aufmerksam gemacht und sich als Polizei zu erkennen gegeben. Beim Eindringen in das Schlafzimmer sei das Beil direkt geflogen gekommen. Beide sagten aus, die ausholende Armbewegung des Angeklagten gesehen zu haben. Das Beil hätte den 30-jährigen Beamten im Brustbereich getroffen, Verletzungen seien dank Schutzweste nicht entstanden. „Ich habe geworfen!“, wandte die Ehefrau des Angeklagten ein und bezichtigte beide Polizisten der Lüge. Das Beil sei zudem nicht gegen den Polizeibeamten geprallt, sondern an die Wand neben der Tür, an der sich auch Spuren finden würden. Auch, dass sich die Beamten als Polizisten zu erkennen gegeben hätten, stritt das angeklagte Ehepaar vor Gericht in Stendal ab.

Der Prozess wird fortgesetzt. Im Fall einer Verurteilung im Sinne der Anklage liegt das Strafmaß für versuchten Totschlag zwischen fünf und 15 Jahren Haft, in schweren Fällen ist sogar eine lebenslängliche Freiheitsstrafe möglich.

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