„Da habe ich gemerkt, dass die Leute hinter mir stehen“

Wilfried Bettzieche: Bürgermeister mit Herz

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Bürgermeister Wilfried Bettzieche mit seinen Ziegen: „Das Viehzeug ist meine Welt.“ Wilfried Bettzieche gehört neben Herbert Schulze zu den dienstältesten Ortschefs in der Einheitsgemeinde Salzwedel.

Riebau / Jeebel – „Wenn die Leute hinter dir stehen, kannst du nicht so viel falsch gemacht haben“, sagt Wilfried Bettzieche. Er ist neben dem Pretzierer Herbert Schulze der dienstälteste Bürgermeister in der Einheitsgemeinde Salzwedel.

Bevor er 1990 zum Ortschef von Riebau und Jeebel gewählt wurde, saß er schon acht Jahre lang im Gemeinderat, vier davon als Vize-Bürgermeister.

Bereits die SED hatte ein Auge auf Bettzieche geworfen: „Du bist der richtige Mann für uns.“ Doch das wollte der agile Heizungsmonteur ja nun gar nicht. Einziger Ausweg: Bettzieche flüchtete sich in die Blockpartei CDU. Musste aber erst einmal zwei Jahre warten, bevor er beitreten durfte, denn im Hintergrund rumorten noch die SED-Genossen, wollten sich mit Bettzieche einen Aktivposten sichern.

Immer wieder gewählt

„Dann kam die Wende und die CDU war mit Helmut Kohl dicke da“, erinnert sich der Jeebeler, wie ihn seine Parteifreunde drängten. „Ich bin eigentlich gezwungen worden“, schmunzelt er. Schließlich sagte er zu. „Damals haben wir noch über unser Geld selbst bestimmt. Und was der Rat beschlossen hat, wurde auch gemacht“, erinnert sich der Ortschef an spannende aber auch anstrengende Zeiten.

Die nächste Bürgermeisterwahl gab es 1994. Drei Kandidaten traten an und holten vier, 25 und 196 Stimmen. „Da habe ich gemerkt, dass die Leute hinter mir stehen“, kniete Bettzieche sich noch mehr in sein Amt. „Es sind Millionen nach Riebau und Jeebel geflossen. Fördermittel, Investitionspauschale und und und.“ Das größte Projekt war der Straßenbau zwischen Pretzier und Riebau und weiter nach Jeebel. Seinerzeit war dort nur eine dünne Asphaltdecke und daneben ein Sommerweg. Bettzieche holte die Pretzierer mit ins Boot und Landrat Egon Sommerfeld. „Der hat sehr viel für uns getan“, erinnert sich der Bürgermeister immer noch an die zahlreichen Gespräche, um an das nötige Geld für die Infrastruktur zu kommen. Es gab Gas-, Elektro- und Abwasseranschlüsse für beide Dörfer.

Zwei neue Brücken

Auch die beiden Brücken über die Eisenbahn zwischen Riebau und Jeebel sowie zwischen Jeebel und Chüden wurden erneuert, denn dort konnten weder Busse noch die Müllabfuhr drüberfahren. An das Dorfgemeinschaftshaus – vormals Clubraum – wurde in Riebau das Feuerwehrgerätehaus angebaut und auch Jeebel bekam ein Spritzenhaus. Auf ein neues Feuerwehrauto hat die Gemeinde selbst vier Jahre lang gespart.

Kriegsflüchtlinge

Für den Straßenbau in beiden Dörfern hatte der Ortschef ein eigenes Konzept als es um die Anliegerbeiträge ging – eine Bürgerversammlung. Bettzieches Vorschlag: Alle benutzen die Gehwege und Straßen, also bezahlen alle. Und alle machten mit. Für Riebau waren das 800 D-Mark in drei Raten, in Jeebel nur 500 Euro, weil statt eines Gehwegbaus die Einfahrten gepflastert wurden.

Auch für die ehemalige Grenztruppenkaserne in Riebau fand sich eine Investorin, die daraus ein Frauen-Seniorenheim machen wollte. „Kurz vor Vertragsabschluss begann der Balkankrieg und die ersten Flüchtlinge aus Jugoslawien zogen dort ein“, erinnert sich Bettzieche. Die Investorin zog sich zurück. Als die Flüchtlinge wieder auszogen, wollte die Gemeinde das Grundstück kaufen und daraus wie beim Rohrberger Modell Wohnungen machen. Doch der Bau war inzwischen völlig runtergewirtschaftet.

Seit 2010 gehören Riebau und Jeebel zur Stadt Salzwedel. „Ein gutes Zusammenarbeiten. Die kümmern sich“, sind die Erfahrungen des Ortsbürgermeisters, der seitdem auch nur noch über ein eingeschränktes Budget verfügen kann. Was ihn nicht weiter stört: „Du kannst ja – selbst, wenn du Geld hättest – nicht einfach alles verballern.“ Ergänzt aber: „Obwohl noch einige kleine Sachen zu machen wären.“

Habe mich gekümmert

Was sich nach der Eingemeindung noch geändert hat? „Wenn einer mit Problemen zu mir gekommen ist – egal welcher Partei er oder sie angehört – dann habe ich mich gekümmert. Heute muss ich die Leute zur Stadt schicken.“

Das liebe Viehzeug

Der Riebauer Wilfried Bettzieche wohnt seit ein paar Jahren in Jeebel, hat dort eine kleine Farm. „Das Viehzeug ist meine Welt“, schmunzelt der sympathische 62-Jährige inmitten seiner Ziegen. Wachteln, Kaninchen, eine Katze und ein Hund, der selbst ihn anbellt, weil er blind ist – sie alle bekommen Gnadenbrot vom Bürgermeister. „Ich habe ein Herz für Tiere.“

Eine weitere Leidenschaft des naturverbundenen Ortschefs ist die Jagd. Und einmal im Jahr fährt er zum Segeln an die Ost- oder Nordsee. Dann geht der Kapitän von Riebau und Jeebel an Bord eines alten Zweimasters und refft dort als Leichtmatrose die Seegel.

VON HOLGER BENECKE

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