„Wie gehen wir mit unserer Stadt um?“

Hundeklo vor Jahn-Gymnasium: Bürgermeisterin appellierte an die Salzwedeler

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Auch dort soll am Sonntag der Bundestag gewählt werden: Die Wiese vor dem Jahn-Gymnasium ist zum Salzwedeler Hundeklo verkommen.
  • Holger Benecke
    VonHolger Benecke
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„Wie gehen wir mit unserer Stadt um?“, fragte Bürgermeisterin Sabine Blümel am Mittwochabend in ihrer Rede zur Lage den Stadtrat. Die Verwaltung werde immer und lautstark zu Hilfe gerufen, wenn der Müll in den Parkanlagen liegt, wenn die Sitzbänke beschmiert oder angezündet wurden, wenn die Wände beschmiert, die Gehwege voller Hundekot sind. Es sei Aufgabe der öffentlichen Dienste, die öffentlichen Wege und Plätze sauberzuhalten, so Blümel. „Es ist jedoch nicht Aufgabe der Mitarbeiter, anderen hinterherzuräumen und zu putzen“, stellte das Stadtoberhaupt klar.

Salzwedel - „Ich frage hier ganz konkret: Wie schwer kann es sein, den Müll in einen Mülleimer zu werfen? Warum ist es das Ziel, Bänke oder Tische zu zerstören?“, hadert Blümel wie viele Salzwedeler mit der nicht nur gegenwärtigen Situation in der Stadt. Der ständige Ruf nach mehr Ordnungsamt, mehr Stadtmitarbeitern zum Wegräumen sei keine Lösung.

Hausmüll wird an der Schwimmhalle entsorgt.

Die Bürgermeisterin bezog sich auf einen AZ-Artikel und sprach konkret den Hansestädter Patrick Brauner an, der die Salzwedeler dazu aufruft, ihre Stadt sauber zu halten. Sie selbst habe bereits acht Tage nach ihrem Amtsantritt am Bahnhof beim Aufräumen mit angepackt. „Der eigene persönliche Einsatz entscheidet darüber, ob und wie Salzwedel lebens- und liebenswert bleibt. Ich danke Herrn Brauner für seinen Einsatz für mehr Sauberkeit und unterstütze dies ausdrücklich“, kommentierte die Bürgermeisterin.

Anpacken statt jammern

Zugleich nannte sie andere Initiativen wie die vom SPD-Ortsverein, der jährlich an der Stadtmauer aufräumt, oder die Schüler, die jedes Jahr die Gedenkstätten an der Ritzer Brücke und der Gardelegener Straße pflegen. Weiter listete sie die Pfadfindergruppe und die Jugendfeuerwehr auf, die ihre Ecken haben, die sie ausdauernd und liebevoll pflegen. „Da wird nicht viel Aufhebens gemacht, da wird angepackt, da wird nicht geschimpft und gefordert – es wird getan“, lobte Blümel.

An den Kampstücken hat sich eine illegale Müllhalde entwickelt, die immer wieder neu bestückt wird.

Das Bauamt unterstütze solche Initiativen mit Technik und Personal. „Ich biete hier Herrn Brauner und seinen hoffentlich zahlreichen Mitstreitern an, dass bei Bedarf technische Unterstützung für Reinigungsaktionen und Ähnlichem zur Verfügung steht“, versprach die Bürgermeisterin. Und weiter: „Das ist das gesellschaftliche Engagement, welches uns weiterbringt. Nicht das Schimpfen, das Dagegensein – sondern das Wirken für die Stadt.“

Hausmeister bedroht

Doch jene, die für Ordnung sorgen, werden auch angefeindet. Jüngstes Beispiel: Der Hausmeister vom Jahn-Gymnasium wies unlängst einen jungen Mann darauf hin, dass dessen unangeleinte Rottweiler-Hündin nicht die Wiese vor der Schule vollkoten solle. Das habe den Hundehalter wenig interessiert. Als der Hausmeister ein Foto schoss, habe er diesen aufs Übelste beschimpft und gegen dessen Auto getreten. Die Reparatur habe 1300 Euro gekostet, berichtete der Hausmeister. Nun beschäftigt sich die Polizei mit dem Fall. Auch Jahn-Direktor Ralf Hoppstock ist stinksauer. Denn die Wiese vor seiner Bildungseinrichtung ist regelrecht zur Hundetoilette verkommen.

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