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Salzwedel: Wie der Circus Karl Altoff Köllner alte wie neue Krisen übersteht

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Von: Armon Böhm

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Dromedar-Fütterung
Mehrfach am Tag werden die Tiere, wie die Dromedare, gefüttert. Hier übernimmt das der namensgebende Karl Altoff-Köllner, wobei Futter teuer geworden ist. © Böhm, Armon

Zirkus Karl Altoff Köllner ist aktuell mit 16 Transportern, 25 Akteuren und 30 Tieren in der Stadt. Wie die Großfamilie, die die Zirkustradition bereits in der siebten Generation hochhält, Corona und Energiekrise meistert:

Salzwedel – Ihre Geschichte geht bis in das Jahr 1638 zurück. Seit etwa 30 Jahren sind die beiden Zirkusfamilien des Circus Karl Altoff Köllner als eine Familie in ganz Deutschland unterwegs. Nun sind sie das erste Mal zu Gast in der Hansestadt Salzwedel, um mit ihren Tieren, Akrobaten, Clowns und vielem mehr das Salzwedeler Publikum zu begeistern. Direktorin Liane Weisheit-Köllner lud die Altmark-Zeitung zu einem Blick hinter die Kulissen vom Traditionszirkus ein. Auch die Corona-Pandemie und die aktuelle Energiekrise wurden dabei zum Thema.

Mit insgesamt 16 Transportern sind die 25 Familienmitglieder zusammen mit ihren 30 Tieren, darunter Hunde, Esel, Alpakas und Dromedare, unterwegs. Dabei befindet sich die Großfamilie mit ihrer Tradition bereits in der 7. Generation, wobei die 8. auch schon heranwächst.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie

Die vergangenen zwei Jahre stellten allerdings eine ziemliche Herausforderung dar. In ihrem sonstigen Wintersitz in Micheln habe sich die Zirkusfamilie mit Arbeit im Einzelhandel über Wasser gehalten. Förderung vom Staat habe es nicht gegeben. Auch die Idee eines Tier-Erlebnisparks habe der Familie geholfen, finanziell ohne das übliche Programm durchzukommen. Dabei erzählte Liane Weisheit-Köllner der AZ stolz: „Wir haben kein einziges Tier während dieser Zeit verkauft.“

Angesprochen auf Tierschützer, welche sich gegen den Einsatz von Tieren im Zirkus stellen, führte die Direktorin weiter aus: „Unsere Tiere sind ein Teil der Familie. Die Pflege war und ist natürlich sehr kostspielig, aber lieber haben wir mal einen Tag gehungert, als sie zu verkaufen oder sich nicht richtig um sie kümmern zu können.“ Alle, die dem kritisch gegenüber eingestellt sind, seien eingeladen, sich selbst ein Bild von den Tieren und ihrer Haltung zu machen. „Jeder kann natürlich seine Meinung haben, aber ich mag es nur nicht, wenn manche so aggressiv sind“, äußerte Weisheit-Köllner.

Anpassungen bei den Eintrittspreisen

Doch die extra kostspielige Pflege geht auch über die Corona-Pandemie hinaus. Mit der aktuellen Energiekrise und der damit einhergehenden Inflation seien die Kosten für Tierfutter stark gestiegen. Ein Heuballen allein koste schon 60 Euro. Täglich verfüttere man etwa 300 Euro an die Tiere. Außerdem beheize man besonders in den kalten Herbsttagen das Zelt für die Besucher. Und die Spritkosten für die 16 Fahrzeuge seien bei dem regelmäßigen Standortwechsel auch ziemlich herausfordernd.

Anpassungen bei den Eintrittspreisen habe man daher bereits machen müssen. Allerdings seien viele Besucher sehr verständnisvoll. „Manche Zuschauer, die vor der Show bei den Preisen die Nase gerümpft haben, sagten mir im Nachhinein, dass die Preise absolut angemessen sind und wir sogar noch mehr verlangen könnten“, erzählte die Direktorin.

Das Leben in einer Zirkusfamilie

Abseits der Krisen sprach Liane Weisheit-Köllner im AZ-Gespräch auch über das allgemeine Leben im Zirkus. Die Kinder der Familie besuchen zuerst noch eine Grundschule, anschließend nehmen sie dann aber Online-Unterricht. Wenn sie dann ihren Abschluss haben, stünde ihnen jeder weitere Lebensweg frei, allerdings sei bisher jeder beim Zirkus geblieben. „Einmal in den Zirkus reingeboren, will man nie mehr weg“, verdeutlichte Weisheit-Köllner, selbst Mutter von fünf Zirkus-Kindern, und führte fort: „Zwar hat uns die Arbeit während Corona auch Spaß gemacht, aber unser Leben ist einfach der Zirkus. Leuten Freude bringen – das erfüllt unsere Seelen.“

Bis zum Montag, 3. Oktober, ist der Circus Karl Altoff Köllner noch in Salzwedel auf der Festwiese Kämmereiteiche. Danach ziehe man dann weiter nach Magdeburg und anschließend ginge es wieder nach Micheln für das Winterprogramm. Allein in der diesjährigen Saison habe die Familie 40 Städte besucht.

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