Ost und West durch Bienenvölker vereint

Sonntagsausflug in die Heide: Förster Oskar Kuntze (v.l.), Lehrerehepaar Hoffmann aus Gieseritz und Ilse Thoms. Im Auto sitzen die Kinder Wolfgang Thoms (v.l.), Tochter Hoffmann und Ilse-Marie Thoms. Foto: privat / Repros (2): Salzwedel-Gardeleger Zeitung

Ellenberg / Stöcken. Die Imkerei im Altkreis Salzwedel ist seit den 30er-Jahren fest mit Adolf Thoms verbunden. Zum Leidwesen meines Vaters liebte ich Bienen nicht sonderlich. Jede freie Minute widmete er seinen Tieren. Es ging meinem Vater aber nicht nur um den Ertrag der Imkerei, er erforschte das Leben dieser Haustiere, um ihre Verhaltensweise weiter zu ergründen. „Das Imkern habe ich von deinem Vater gelernt“, war ein häufig gehörter Spruch.

Imker gab es in jedem Dorf. Viele Kleinbauern sahen darin einen Nebenerwerb, denn der Honigpreis wurde dem Butterpreis gleichgestellt. Mein Vater hatte in seinem Garten einen festen Bienenstand mit zirka 30 Völkern. Weitere 20 Völker betreute er im Garten der Försterei im Risk bei Oskar Kuntze.

Imker Karl Heuer aus Osterwohle mit einem seiner Bienenkörbe.

Zur Heideblüte wanderte ein Großteil der Imker aus dem Salzwedeler Westkreis in die Heide um das Weiße Moor bei Knesebeck und um Bokel. In den 30er-Jahren war das Wanderziel oft Schweimke. Wenn sich nach anbrechender Dunkelheit die Bienen in ihren Stock zurückgezogen hatten und die Fluglöcher versperrt werden konnten, wurden Kisten und Körbe auf einen Plattenwagen verladen. Dieser Wagen diente zum Transport der Milchkannen und Eierkisten. Das war eine holprige Angelegenheit, denn der Weg führte von Ellenberg über Nipkendey-Dähre-Diesdorf-Wittingen-Hankensbüttel- nach Schweimke. Im Schweimker Moor blieben die Bienen nun bis zum Ende der Tracht.

Der gesamte Bienenstand von Karl Heuer – abgebildet in der Salzwedel-Gardeleger Zeitung am 3. August 1935.

Gleich in der Nähe von Schweimke – in Bokel – hatte Karl Heuer, ein Großimker aus Osterwohle, seinen Stand mit 250 Körben. Karl Heuer bewirtschaftete seine Bienenstöcke in Stülper-Körben. Dort blieb er bis zum Ende der Tracht. Wir fuhren gerne in die Heide, wie schon früher die Imker um 1670. Nur mit dem kleinen Unterschied: An der Zollgrenze Diesdorf-Wittingen mussten für ein Imme (Bienenkorb) zur Tracht in die Heide drei Schilling Zoll entrichtet werden. Das brauchten die Imker 1935 nicht mehr, aber dafür wurde für die Imker aus dem Salzwedeler Kreis 1945 der Weg gänzlich versperrt. Den Bienen war der Anflugweg in die Heide zwar nicht versperrt, denn sie konnten bis zu zwei Kilometer in die Müssinger Heide fliegen.

Noch zur Zeit seines Aufenthaltes in Wistedt hatte Adolf Thoms in mühseliger Kleinarbeit Unterlagen für eine Chronik zusammengetragen. Eine intensive Verbindung unterhielt er mit dem Institut in Hohen Neuendorf bei Berlin.

1973 zog er mit Sack und Pack nach Stöcken bei Wittingen. Etliche Bienengerätschaften durfte er mit in den Westen nehmen, vor allem seine Dokumente, die er über Jahre zusammengetragen hatte.

In Stöcken – bei seinem Sohn und Schwiegertochter – wurde schnell wieder ein Stand für zehn Völker zusammengebaut. Von nun an ging es zur Rapsblüte nach Schleswig-Holstein.

Als die „Chronik vom Imkerverein Salzwedeler Land“ fertig war, wollte Adolf Thoms sie auch in der DDR veröffentlichen. Schließlich wandte er sich 1976 an den Sekretär der Kreis-SED. Ohne Erfolg.

Die Wende erlebte Adolf Thoms nicht mehr. Seine Chronik lag in Stöcken. Der Vorstand des Imkervereins Salzwedel feierte 1993 sein 100-jähriges Bestehen und bekam die Chronik geliehen.

Von Wolfgang Thoms

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