Von Woche zu Woche – Kommentar von AZ-Redaktionsleiterin Ulrike Meineke zum Thema Geschlechterdebatte

Wenn schon, denn schon

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Unisex-Toiletten gibt es schon in Berlin, nun will auch Hamburg sie installieren (Symbolbild).

Verdrehen Sie auch die Augen, wenn Sie diese Geschlechterdebatte verfolgen? „Gender“ heißt das Geschlecht ja jetzt, klingt ja auch viel besser, ist kein „schlecht“ drin.

Apropos Gender. Berlin hat sie schon, nun will auch Hamburg die ersten gendergerechten Toiletten installieren, ein Klo für alle Geschlechter. Nein, nicht für beide, sondern für alle Geschlechter. Trans- oder intergeschlechtliche Menschen sollen nämlich nicht diskriminiert werden. Menschen, die sich „im falschen Körper“ fühlen, und solchen, die nicht eindeutig Mann oder Frau sind, soll es leichter gemacht werden, wenn sie auf die Toilette müssen.

Sie schütteln jetzt mit dem Kopf und fragen sich, ob es wirklich nichts Wichtigeres gibt?

Offenbar nicht, denn der Wahn-(Schwach-)sinn geht noch weiter. Rollen Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch mit den Augen, wenn das mit den „-innen“ übertrieben wird? Fühlen Sie sich, sofern Sie weiblich sind, wirklich diskriminiert, wenn die Anrede kein „-innen“ enthält?

Die Studenten heißen jetzt unisex „Studierende“. Ja, damit fühlen sich weibliche Studenten bestimmt besser!

In Hannover hat die Stadtverwaltung ihren Angestellten „Empfehlungen für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache“ gegeben. Nun gut, Hannover hat schon mit ganz anderen fragwürdigen Investitionen wie dem Krankenwagen für verletzte Wölfe für Schlagzeilen gesorgt ... Aber zurück zu den Hannoveranern, die in der weiblichen Form jetzt ein „-innen“ drangehängt gekriegt haben. Da stellt sich schon mal die Frage, ob dem Löwen mit prächtiger Mähne im Stadtwappen nicht eine Löwin an die Seite gestellt werden müsste. Wenn schon, denn schon.

In der Verwaltungssprache sollen Lehrer in Hannover jetzt als „Lehrende“ angesprochen werden und Wähler als „Wählende“. Und das männliche Rednerpult wird zum „Redepult“. Nur logisch, dass auch die „Teilnehmerliste“ verändert werden muss – in „Teilnahmeliste“.

Die Hannoveraner und -innen haben sich richtig Gedanken gemacht! Es geht nämlich noch weiter, denn auch der Protokollführer ist männlich besetzt. Geschlechterneutral heißt es nun: „das Protokoll schreibt“. Und „Frau Schulz“ ist übrigens out. Man will „Frau“ und „Herr“ vermeiden und setzt deshalb die Vornamen an die Stelle. Als ob das nicht genug ist, will man in Hannover, wo ja angeblich das reinste Hochdeutsch gesprochen wird, auch die Grammatik korrigieren. Klar, wenn schon, denn schon.

Schließlich ist die Kirche weiblich, und wenn sie als Arbeitgeber auftaucht, ist sie eine Arbeitgeberin. „Die Stadt“ ist ebenfalls grammatikal weiblich, und wenn sie eine Broschüre herausgibt, ist sie kein Herausgeber, sondern eine Herausgeberin.

Eine Sache ist wirklich gut: Statt dem altbackenen „Sehr geehrte Damen und Herren“ heißt es aus Hannover jetzt „Guten Tag“. Super! Mal sehen, wann Hamburg auf „Moin moin“ umsteigt.

Am Ende betont die Stadtverwaltung Hannover, dass sie sich als „Abbild der Gesellschaft“ versteht. Das Ziel sei, alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht anzusprechen.

Ich finde: Dann muss das Personal (genial – sächlich!) auch auf die Unisex-Toilette. Besser: das Urinal, weil geschlechter- ehm ich meine natürlich genderneutral.

Wenn schon, denn schon. 

VON ULRIKE MEINEKE

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