Von Woche zu Woche

Wenn Frau will, kann sie auch

Frauenquote – ist das wirklich nötig? Werden wir bald auch eine Männerquote für Lehrer oder Erzieher haben? Für die Arbeit in Supermärkten, in den von Frauen dominierten Verwaltungen? Warum?

An der biologischen Tatsache, dass Frauen die Kinder kriegen, lässt sich nun mal nichts ändern. Es ist doch gut, dass die Väter genauso wie die Mütter die Erziehungszeit nehmen können. Wenn Frau arbeiten gehen will, kann sie das. Wenn sie Karriere machen will, kann sie das auch. Bei der Gleichberechtigung sind die Weichen in Deutschland gut gestellt.

Eine Frauenquote-Befürworterin sagte in dieser Woche im Fernsehen: Wenn mindestens jeder dritte Aufsichtsratsposten in 108 börsennotierten, deutschen Unternehmen von Frauen besetzt ist, hätte man damit „die kritische Masse“ in diesen Gremien. Ja sind Männer denn unkritisch? Warum muss die Politik der Wirtschaft überhaupt eine Quote vorschreiben?

Es gibt viele Frauen, die Arbeit und Familie erfolgreich unter einen Hut bekommen. Und wer im Osten Deutschlands groß geworden ist, der weiß, dass es dort keine Diskussion über die Führungsqualitäten von Frauen gab. Wenn Frauen wollten, dann konnten sie. Das gilt heute genauso. Wichtig ist die frühe Prägung. Wenn unsere Töchter mit der Gewissheit aufwachsen, dass ihnen im Leben alle Türen offen stehen und wir ihnen das so vorleben, funktioniert das auch.

Vielleicht sollte man besser ein paar Rahmenbedingungen in diese Richtung ändern. Es ist gesetzlich geregelt, dass Schwangere keine Arbeiten verrichten dürfen, die die Gesundheit ihres Kindes gefährden könnten. Das ist gut und richtig so. Aber mal ehrlich: Gehen die Reglementierungen nicht oft zu weit? Kein Unternehmen hat etwas dagegen, wenn die Mitarbeiterinnen Kinder bekommen. Aber für viele Unternehmen bedeutet das, dass schwangere Mitarbeiterinnen nur sehr eingeschränkt zur Verfügung stehen. Das sagt zwar keiner laut, aber hinter vorgehaltener Hand überlegt sich der Firmenchef schon, ob er nicht lieber einen männlichen Mitarbeiter einstellt als eine Frau im gebärfreudigen Alter. Viele Reglementierungen für Schwangere sind wohl übertrieben – bei allem Verständnis für das Wohlergehen des ungeborenen Kindes! Aber da setzt ein Verständnis an, das sich überträgt. Eine normale Schwangerschaft ist keine Krankheit. Übervorsichtig sein, auch dann, wenn das Kind da ist – wenn es hustet, zum Arzt, mit dem Kind zu Hause bleiben. Krank. So wird den Kindern etwas vorgelebt, das die Töchter verweichlicht und ihnen später auf die Füße fallen könnte. Denn genau das sind die „Fälle“, die manchen Unternehmer davon abhalten, junge Frauen einzustellen. Da müssen wir ansetzen und im Bewusstsein etwas verändern.

Was sollen Frauenquoten ... Jetzt ist der Anfang gemacht, erstmal mit 30 Prozent Frauen in 108 börsennotierten Unternehmen. Was kommt noch? Wenn wir mit der Frauenquote übergreifend durch sind, werden dann bald die Männer eine Quote und einen Gleichstellungsbeauftragten fordern?

Wenn ein Mann Frisör werden will, kann er das. Er kann auch Krankenschwester werden. Oder im Supermarkt an der Kasse sitzen. Genauso kann eine Frau Dachdecker oder Autoschlosser werden. Oder eben Führungskraft. Wenn sie denn will.

Von Ulrike Meineke

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