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Weniger Karambolagen durch Corona

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Von: Holger Benecke

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Polizeihauptmeister Ray Siebentaler und Polizeichefin Tina Beck stellten gestern die Verkehrsunfallstatistik des vergangenen Jahres für den Altmarkkreis vor. © Benecke, Holger

Corona hat auch in der Verkehrsunfallstatistik 2021 des Altmarkkreisreviers für einen Rückgang der Unfälle gesorgt – konkret um 31 Stück auf 2926 Karambolagen. „Die Menschen sind in der Pandemiezeit zu Hause geblieben und viele haben auch im Homeoffice gearbeitet“, blickte Polizeirätin und Revierchefin Tina Beck gestern zurück. Zusammen mit Polizeihauptmeister Ray Siebentaler, dem Herrn über das Verkehrsgeschehen im Kreis, zog sie gestern Bilanz für 2021.

Altmarkkreis Salzwedel - Allerdings weist die Statistik auch neun Verkehrstote aus. Zum Vergleich: 2020 waren es fünf und 2019 zehn. Darunter der besonders tragische Fall aus dem Raum Klötze, wo ein 79-Jähriger in Schlappen mit dem Fahrrad unterwegs gewesen ist. Aufgrund des Schuhwerkes rutschte der Mann von der Pedale und fiel über den Lenker. Dadurch kam es zu einem Milzriss und der 79-Jährige starb.

Nur noch die Hälfte Sauen vor dem Kühler

Während die Zahl der Leichtverletzten sank, stieg sie bei den Schwerverletzten im Gegensatz zu 2020 von 45 auf 60, konstatierte Beck. Wobei es innerorts eine Unfallzunahme um 22 gab, während die Polizei außerorts 55 Unfälle weniger verzeichnete. Einmal abgesehen von den Wildunfällen, die mit 1308 immer noch der Spitzenreiter in der Statistik sind, ist eine der Hauptunfallursachen im vergangenen Jahr erneut zu hohe Geschwindigkeit gewesen. In Sachen Wenden und Rückwärtsfahren haben die Verkehrsteilnehmer 2021 offenbar noch weniger aufgepasst. Dort stehen 227 Unfälle 169 im Jahr zuvor gegenüber. Auch das Fehlverhalten von Radfahrern hat zugenommen: 96 Unfälle 2021, das sind 29 mehr als 2020. Bei Karambolagen, bei denen Alkohol im Spiel war, gibt es ebenfalls einen kleinen Rückgang von 42 auf 37. Dafür ging es auf der Drogenseite von sechs auf sieben nach oben. Hinzu kommt ein Unfall unter Einfluss von Alkohol und Drogen.

Dem Wildunfallgeschehen, das 44,7 Prozent vom Gesamtgeschehen 2021 ausmacht, widmete Ray Siebentaler besondere Aufmerksamkeit. Auch dort ein Rückgang von 1371 auf 1308. Dieser trifft besonders das Schwarzwild. Der Anteil der Kollisionen mit Schweinen ist um über die Hälfte (50,74 Prozent = 33 Stück) zurückgegangen. Beim Rot- und Damwild sind es 18,36 Prozent, wo hingegen im vergangenen Jahr ein wenig mehr an Hasen und Wildkaninchen überfahren wurden – insgesamt 60 Stück im vergangenen Jahr. Das Wildunfallgeschehen weist diesmal keinen Wolf aus, 2020 überlebte ein Isegrim den Zusammenstoß mit einem Automobil nicht.

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So sieht der Verlauf des Unfallgeschehens in den vergangenen zehn Jahren im Altmarkkreis Salzwedel aus. © Infografik: Polizei / Hauptmeister Rolle

In diesem Zusammenhang ging Hauptmeister Siebentaler auch auf die Wildteststrecke zwischen Diesdorf und Waddekath ein. Das Pilotprojekt des Landes, das das Wild optisch und akustisch warnen soll, ist abgeschlossen, aber noch nicht ganz ausgewertet. Erste Erkenntnisse zeigen aber: Es hat nichts gebracht. Siebentaler wie auch andere Verkehrsexperten sehen genau die umgekehrte Richtung: Nicht das Wild, sondern die Kraftfahrer müssen gewarnt werden. Entsprechende Fahrzeugtechnik ist bereits in der Entwicklung.

Ein weiteres Thema, das dem Verkehrspolizisten wichtig war – die Unfallschwerpunkte. Bevor Hauptmeister Siebentaler ins Detail ging, konnte er beruhigen: „Es sind keine neuen hinzugekommen.“ Mehr noch, fünf weitere konnten ad acta gelegt werden. Gerade diese Sache nimmt die Verkehrsunfallkommission (Polizei, Straßenmeistereien, Ordnungs- und Bauämter) sehr ernst.

Im Einzelnen: Mit der Aufmündung der Brücken- auf die Thälmannstraße in Salzwedel ist die Polizei schon seit Jahren am Ende ihrer Möglichkeiten und hat der Stadt ins Hausaufgebenheft geschrieben, dort bauliche Veränderungen vorzunehmen. Ein Planungsbüro soll inzwischen damit beauftragt worden sein, das Ergebnis stehe noch aus, wusste Siebentaler.

Ein weiterer Unfallschwerpunkt ist in Salzwedel die Einmündung B 71 n / Kristallweg. Dort wurde bereits der Bereich der Geschwindigkeitsreduzierung (50 km/h) verlängert. Ein Aufbringen von Bremsbalken auf der Fahrbahn wurde verworfen. Stattdessen will der Baulastträger, die Landesstraßenbaubehörde, eine dortige Verkehrsinsel entfernen lassen.

80 Prozent ignorierten Stoppschild

An der B 188 bei Mieste wurde gerast und es krachte beim Überholen. Eine Warntafel hat das Problem scheinbar behoben, doch wollen Siebentaler und seine Kollegen weiter ein Auge auf den Abschnitt haben. Zusätzliche Schilder gab es auch an der Kreuzung Klötze-Bandau-Poppau. Einen Schwerpunkt dachte man schon vor zehn Jahren erledigt zu haben. Nun ist die B 188-Abfahrt ins Gardelegener Gewerbegebiet seit 2020 erneut ins Visier geraten. Eine Videoüberwachung habe erbracht, dass 80 Prozent der Kraftfahrer das dortige Stoppschild nicht beachten. Auch auf der B 71 zwischen Gardelegen und Letzlingen nahe der ehemaligen Krupp‘schen Kanonenbahn hatte es mehrere schwere Unfälle gegeben. Doch seit drei Jahren passierte dort nichts mehr, konnte Hauptmeister Siebentaler berichten.

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