Viele Westaltmärker verdienen nicht genug für das Alter / Resonanz auf DGB-Aktion dennoch gering

Wenig Einkommen, weniger Rente

Die Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes, dem acht Gewerkschaften angehören, informierte kürzlich in Salzwedel über das Problem geringer Einkommen und Renten. Das Interesse hielt sich an diesem Nachmittag in Grenzen. Foto: J. Heymann
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Die Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes, dem acht Gewerkschaften angehören, informierte kürzlich in Salzwedel über das Problem geringer Einkommen und Renten. Das Interesse hielt sich an diesem Nachmittag in Grenzen.
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Salzwedel / Altmarkkreis. Wer in Salzwedel die Neuperver- und die Burgstraße entlanggeht, der sieht sie an dem einen oder anderen Geschäft: Stellenangebote, meistens in Teilzeit.

Solche atypischen Arbeitsverhältnisse machen in Sachsen-Anhalt immerhin 37,2 Prozent aller Beschäftigungen aus. 

„Wir stellen schon jetzt fest, dass viele dazuverdienen müssen“, weiß Katrin Skrilo, Regionsgeschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Die Anzahl der Arbeitnehmer in Voll- und Teilzeit steige zwar seit Jahren, aber die Gewerkschaft teilt nicht die Euphorie der Arbeitsagentur. Denn die Einkommen seien meist zu gering – zwei Drittel aller Westaltmärker laufen nach derzeitigen Zahlen Gefahr, später einmal in die Altersarmut abzurutschen. Der Wert dafür lag im Jahr 2015 bei 942 Euro im Monat. 43 Prozent der Männer und 63 Prozent der Frauen in Sachsen-Anhalt erhielten nur bis zu 900 Euro im Monat, besagt der DGB-Rentenreport. Bei einem angepeilten Rentenniveau von 42 Prozent seien bei einem Einkommen von 2500 Euro brutto schon 42 Arbeitsjahre nötig, um überhaupt über die Grundsicherung zu kommen.

Katrin Skirlo und ihre Mitstreiter standen auf dem Salzwedeler Rathausturmplatz zumindest die erste Stunde mit ihrem Anliegen ziemlich alleine da. Das Café nebenan hatte deutlich mehr Zuspruch. Bei ihren bisherigen Auftritten hatten sich überwiegend Ältere über die Rentenproblematik informiert. Jüngere würden sich eher fernhalten, lässt Katrin Skirlo durchblicken.

Für diese Altersgruppe ist das Einkommen ohnehin erst mal wichtiger. Dort pocht die Gewerkschaft auf ordentliche Bezahlung, etwa durch Tarifbindung. Doch davon sei man in Sachsen-Anhalt generell weit entfernt.

Erst recht im ländlich geprägten Norden. „Die Region ist mittelständisch geprägt. So viele Leuchttürme haben wir nicht“, beurteilt Katrin Skirlo. Der DGB hat im Altmarkkreis 7535 Mitglieder.

Von Jens Heymann

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Die Einkommens- und Rentenproblematik auf einen Blick 

Tragende Säule der Altersversorgung: 

• 97 Prozent der Renteneinkünfte im Land stammen aus der Gesetzlichen Rentenversicherung.

Rentenzuwächse – Kaufkraftverlust: 

• Die durchschnittliche gesetzliche Bestandsrente eines Mannes in Sachsen-Anhalt betrug im Jahr 2015 1115 Euro (Frauen: 822 Euro). Im Jahr 2000 waren es 1034 Euro. Ein Plus von 81 Euro. Der Gewerkschaftsbund berechnet allerdings einen inflationsbedingten Kaufkraftverlust von 26 Prozent (187 Euro). Neurenten betrugen 2015 hingegen nur 965 Euro (Frauen: 830 Euro).

Armutsgefährdungsschwelle 2015: 942 Euro / Monat: 

• 43 Prozent der Männer und 63 Prozent der Frauen in Sachsen-Anhalt erhielten im Jahr 2015 nur maximal 900 Euro / Monat aus der Gesetzlichen Rentenversicherung.

Rente mit 67? 

• Laut Gewerkschaftsbund gingen im Jahr 2015 Menschen durchschnittlich mit 63,5 Jahren in Rente. Erwerbsminderungsrente wurde mit durchschnittlich 52,6 Jahren beantragt.

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