„Weil Rotwein so gesund ist“

Der Rotwein-Stammtisch trifft sich einmal im Monat im Salzwedeler „Eisen Carl“ (v.l.): Hermann Wrobel (Osterwohle), Ernst Michaels (Groß Chüden), Walter Wienecke (Salzwedel), Vorsitzender Hans-Joachim Thunecke (Quadendambeck), Helmut Mosch (Wallstawe), Wilhelm Wessel (Buchwitz), Hans-Otto Schulz (Buchwitz) und Joachim Kersten (Klein Gerstedt). Nicht auf dem Bild: Bernhard Schulz (Wistedt), Friedrich-Wilhelm Schulz (Dannefeld) und Klaus Albrecht (Schernikau). Foto: Meineke

Salzwedel. „Wir sind elf Aktive“, sagt Hans-Joachim Thu-necke. Aber es sei keinesfalls so, dass der „Rotwein-Stammtisch“ dem roten Rebensaft in größeren Mengen frönt. „Ein Gläschen zum Abendbrot“ gebe es in der illustren Männerrunde, die sich einmal im Monat im „Eisen Carl“ trifft. Die Männer eint eines ganz besonders: Sie alle hatten bzw. haben mit der Landwirtschaft zu tun. „Da reden wir über das Wetter, die Ernte, über frühere Zeiten ...“, sagt Thunecke, der mit 71 Jahren der Jüngste in der Runde ist. In der man übrigens nicht so einfach mitmachen kann: „Neue Mitglieder werden aus der Runde vorgeschlagen“, beschreibt der Vorsitzende das Prozedere. Allein die Beziehung zur Landwirtschaft reicht nicht: Man(n) muss mindestens 60 Jahre jung sein. Das hat sich nicht der Rotwein-Stammtisch von heute ausgedacht, nein, diese Bedingungen sind viel älter. Anfang der 60er Jahre war es, als der Wallstawer Tierarzt Bruno Gaedke und Fritz Tegge aus Wöpel die Idee hatten, Gleichgesinnte zu einem Stammtisch einzuladen. „Alles Bauern“, weiß Thunecke, die fortan bei einem Glas Rotwein gepflegte Gespräche führten. „Das mit dem Rotwein ist übrigens keine Pflicht“, fügt der 71-Jährige hinzu. Das Kind musste einfach einen Namen haben, und weil Rotwein so gesund ist, fand sich das Getränk im Namen „Rotwein-Stammtisch“ wieder.

Die elf Aktiven – Hermann Wrobel und Ernst Michaels sind mit 87 Jahren die ältesten Mitglieder – erweitern ihre Runde zweimal im Jahr um ihre Frauen. Dann feiern sie ein Sommerfest – in diesem Jahr mit Spargelessen im Drömling – und den Advent, meist mit traditionellem Gänsebraten.

Neben Wetter und Ernte sind die Enteignungen zu DDR-Zeiten und die LPG-Gründungen 1960 immer wiederkehrende Themen. Diese Zeit „war nicht gut“, sagen die Herren, „die davor auch nicht“. Und heute? „Heute haben wir die Freiheit.“ „Aber auch hohe Benzinpreise“, fügt der Groß Chüdener Ernst Michaels hinzu.

Von Ulrike Meineke

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