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„Da weht unsere Nationalflagge – schön!“ – Was für ein Skandal...

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Von: Ulrike Meineke

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Deutsche Flagge
Deutsche Flagge. © dpa

Was für ein Skandal. Vor mehr als 20 Magdeburger Schulen wehten in dieser Woche Deutschland-Fahnen. Ist Feiertag? Oder sind die Lehrer Nazis? Die Schüler rechts? Genau diese Fragen sind die ersten, die sich viele wohl stellen. In anderen Ländern wäre das anders. „Da weht unsere Nationalflagge – schön!“

Bei uns gibt es zwei Gründe, warum das nicht geht. Zum einen wurden die Fahnen von der Jungen Alternative, dem AfD-Parteinachwuchs, gehisst. Man wolle damit ein Zeichen für mehr nationales Gemeinschaftsempfinden setzen. Falsch. Die AfD instrumentalisiert Nationalstolz, um Stimmung zu machen. Nationalbewusstsein und Nationalstolz sind problembehaftet. Beides wollen wir nicht, wir sind schließlich keine Nazis.

Dennoch: Wird mit der Deutschland-Fahne an einer deutschen Schule ein ausländischer Schüler ausgegrenzt? Über so etwas würde man in Finnland oder Frankreich überhaupt nicht diskutieren. Jedes Land hat eine Nationalfahne und wer sich mit seinem Land verbunden fühlt, hisst sie vielleicht auch. Oder macht sie sich zumindest ans Auto, wenn Fußball-WM ist.

Eigentlich ist es wohl gut, dass die Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Jahr für uns so schnell vorbei war. Da waren die „rechten Farben“ Schwarz-Rot-Gold nur kurz als Fähnchen an den Autos und als Schminke in den Gesichtern der Fans zu sehen – den Fans unserer Nationalmannschaft. Die müsste man eigentlich auch umbenennen, denn „national“ kommt in „Nationalsozialismus“ vor. Wir sind schließlich keine Nazis.

Wenn Fußballstar Mesut Özil mit dem türkischen Präsidenten Erdogan posiert, schlagen die Wellen der Empörung hoch. Özil, der für Deutschland spielt, sich nach eigener Aussage als Deutscher fühlt, aber stolz auf seine türkischen Wurzeln ist, schüttelt dem Präsidenten eines Landes die Hand, das kein Rechtsstaat ist  ... Man mag dazu stehen, wie man will. Und vielleicht ist Özils Handshake mit einem Despoten auch ein schlechtes Beispiel dafür, dass Nationalstolz im Grunde doch etwas Gutes ist.

Eine Nationalfahne ist ein sichtbares Zeichen für gemeinsame Werte und Geschichte. In Deutschland steht sie für wirtschaftliche Stärke auf der Basis eines friedvollen Umgangs miteinander. Multikulti ist nichts anderes als ein friedvoller Umgang miteinander.

Wer stolz auf sein Land ist, ist auch gewillt, es nach vorn zu bringen, lebt gern dort. Wenn es in diesem Bewusstsein keine Kehrtwende gibt, dauert es nicht mehr lange und wir trauen uns im Ausland nicht mehr zu sagen, woher wir kommen. Deutschland – ach, aus Nazideutschland ... Und bloß keine Fahne im Garten hissen. Wenn Sie dann noch eine Glatze haben  ...

Von Ulrike Meineke

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