Es fehlt weiter an Niederschlag / Feuchtgebiete ebenfalls betroffen

Wassersituation im Raum Salzwedel bleibt angespannt

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Der Salzwedeler Pfefferteich: Ein Ort zum Entspannen. Die Fische haben noch ausreichend Sauerstoff und die Algen haben dort noch nicht die überhandgenommen. Der Pfefferteich besitzt Zu- und Ablauf, daher kommt immer wieder frisches Wasser nach.

Salzwedel – 2019 gesellt sich in die Reihe der trockensten Jahre. Auch wenn Petrus einige Regenwolken mehr übers Land schickte, reicht das noch lange nicht aus.

Der Teich auf der linken Seite vor Hoyersburg, aus Richtung Salzwedel kommend, ist komplett trockengefallen und die Stapelteiche haben weiter Wasser verloren – zudem haben die Algen dort überhandgenommen.

Die Stapelteiche färben sich grün und haben wieder einiges an Wasser verloren. Es fehlt an Frischwasser.

Selbst in anderen Bereichen der Hansestadt wie am Pfefferteich oder an der Jeetze sind die Zustände besorgniserregend. „Es fehlt der dringend benötigte Regen“, schilderte Thomas Koberstein, Storchenbetreuer und Mitglied beim Angelsportverein Salzwedel. Und ergänzt: „Hinzu kommt die stark wachsende Algenpopulation.“ Nimmt diese Überhand, können Gewässer umkippen und für die Natur unbrauchbar. Doch was genau passiert eigentlich in einem Teich, wenn dieser Prozess eintritt?

Wie der Sachbereichsleiter für Gewässerkunde, Friedemann Gohr, vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) erklärte, wird beim Umkippen von Gewässern erst dann gesprochen, wenn der Sauerstoffgehalt im Wasser drastisch abfällt. „Bedingt durch eine hohe Phosphor-Konzentration wird eine große Algenbiomasse aufgebaut. Nach dem Absterben werden die Algen durch Bakterien unter Sauerstoffverbrauch zersetzt“, so der Experte. Weiter erklärte Friedemann Gohr: „Wenn nicht mehr ausreichend Sauerstoff vorhanden ist, treten andere Abbauprozesse ein. Es kommt zu Fäulniserscheinungen im Gewässer.“

Erste Anzeichen für das Umkippen eines Gewässers sind Fische, die an der Oberfläche schwimmen und nach Luft schnappen – dann wird es erst und es muss schnell gehandelt werden. Als Gegenmaßnahme muss Frischwasser in einen Teich gepumpt werden. Gewässer, die einen Zu- und Ablauf haben, oder Fließgewässer wie die Jeetze sind weniger von Sauerstoffmangel betroffen.

Niedriger Pegelstand in den Flüssen. Die Dumme und die Jeetze führen so wenig Wasser wie lange nicht mehr.

Allerdings entstehen neben dem Umkippen von Gewässern ein weiteres Problem durch die hohen Temperaturen und dem fehlenden Niederschlag. „Wir schauen immer nur auf Flüsse und Seen, aber Feuchtgebiete, wie das Cheiner Torfmoor oder die Stadtforst, sind ebenfalls betroffen“, sagte Thomas Koberstein besorgt. Weiter schilderte der Hobby-Angler: „Diese Areale sind wie ein Schwamm voll mit Wasser. Sind diese erst einmal ausgetrocknet, nehmen sie nur noch kaum bis gar keine Feuchtigkeit mehr auf.“ Hinzu komme, dass Feuchtgebiete CO2-Speicher sind.

Ein weiteres Thema in der Wasserproblematik sei die Landwirtschaft. Thomas Koberstein schnitt diesen Punkt an. Die Bauern ließen die Wehre der Gräben offen, sodass das Wasser abfließt. Dadurch könnten auch Feuchtwiesen besser bewirtschaftet werden. Allerdings verstehe er auch, dass die Bauern unter wirtschaftlichen Druck stünden.

Gestern huschten vereinzelte Regenwolken über Salzwedel, doch damit die Teiche, Flüsse und Seen sich in und um die Hansestadt wieder erholen, wird viel mehr Nass benötigt. „An der Niederschlagsmessstation Gardelegen´, die für die Altmark zuständig ist, wurden von Januar bis Juli 2019 nur 193,5 Millimeter registriert. Der langjährige Mittelwert beträgt 540 Millimeter“, so Friedemann Gohr. Im Jahr 2018 hätten sich die Oberflächengewässer unter ähnlichen Witterungsbedingungen erst im Oktober bis November wieder entspannt. Thomas Koberstein sagte es kurz und knapp: „Wir brauchen so viel Regen, bis die Seen und Flüsse voll sind bis zum Rand.“

VON PAUL WILLIAM HIERSCHE

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