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Warum zwei Störche den Winter im Salzwedeler Tierpark verbringen

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Von: Armon Böhm

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Störche im Salzwedeler Tierpark
Zwei Störche auf dem gefrorenen Rasen. Alma und ihre Mitbewohnerin verbringen aus unterschiedlichen Gründen den Winter im Salzwedeler Tierpark. © Böhm, Armon

Zwei weibliche Weißstörche verbringen den Winter im Salzwedeler Tierpark. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Storchenbetreuer Thomas Koberstein erzählt, warum Alma und ihre Mitbewohnerin nicht in den Süden fliegen.

Salzwedel – Wer in den kalten Wintertagen die Tiere im Salzwedeler Tierpark besucht hat oder die Gehege bei einem Spaziergang aus der Ferne erspähte, der mag dabei auch auf zwei Störche gestoßen sein. Aber fliegen diese als Glücks- und Babybringer bekannten Vögel im Winter nicht eigentlich in den warmen Süden? Die AZ wandte sich an den Storchenbetreuer Thomas Koberstein.

Bei den beiden Tierpark-Bewohnern handelt es sich laut Koberstein um zwei weibliche Weißstörche. Die Störchinnen sind aber aus unterschiedlichen Gründen in ihrem gemeinsamen Gehege: Die eine kann körperlich nicht fliegen, die andere will es wohl nicht.

Glück im Unglück

Aber ganz von vorne. Alma, wie die eine Störchin heißt, ist 2014 in einem Nest in Legde geschlüpft. Ab ihrem zweiten Lebensjahr verbrachte Alma die Sommermonate in Polen und ab 2018 in Wahrenberg an der Elbe. 2019 wurde sie dann aber in einen nicht nachvollziehbaren Unfall in der Altmark verwickelt und noch rechtzeitig von einer besorgten Bürgerin gefunden. „Einer ihrer Flügel war komplett zersplittert“, schilderte der Storchenbetreuer. Dabei habe die Störchin allerdings Glück im Unglück gehabt.

„Der Flügel war so verdreht, dass er die Blutgefäße komplett verschlossen hat und sie keine Blutungen hatte“, erklärte Koberstein. Tierarzt Dr. Thomas Tamm aus Salzwedel musste den Flügel amputieren. Zusammen mit Experten der Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg wurde dann entschieden, dass Alma in den Salzwedeler Tierpark kommt.

Ihren Namen bekam Alma laut Koberstein durch eine Rundfunkinitiative des MDR. Im Radio wurde nach einer Namenspatin oder einem -paten gesucht. Letztlich wurde es eine Frau aus Wernigerode. Am 9. Mai 2022 fand dann feierlich die Taufe im Salzwedeler Tierpark statt.

Handicap nicht sichtbar

Almas Mitbewohnerin hat laut Koberstein keinen Namen. Und was sie auch nicht haben soll, ist ein Grund, nicht zu fliegen. Zumindest keinen Körperlichen. „Sie hat kein klar erkennbares Handicap, unternimmt dennoch keine Flugversuche“, erläuterte er im AZ-Gespräch.

Über mögliche Gründe, warum die junge Störchin nicht fliegen kann oder möchte, könne man nur spekulieren. Seit 2021, ihrem Brutjahr, lebt sie ebenfalls im Tierpark, wo sie mit Alma gut harmoniere. Zwar sollen Störche auch alleine gut zurechtkommen, doch ein wenig Gesellschaft tue den Tieren natürlich dennoch gut.

Mit der Aufnahme von Alma wurde 2019 auch ein Storchenhorst im Tierpark errichtet. Dieser werde von wildlebenden Weißstörchen gut angenommen. So haben Alma und ihre Mitbewohnerin in der Brutsaison öfters Storchenpaare zu Besuch. Laut einem MDR-Bericht aus 2021 habe es durch den Horst allerdings schon ein „tragisches Liebesdrama“ gegeben. Alma, früher vom MDR als Hanna bezeichnet, habe nicht zu einem männlichen Storch in das Nest fliegen können, der sie öfters am Boden besuchte. Letztlich sei eine andere Störchin zu ihm geflogen.

Schutz des Bestands

Insgesamt gibt es im Altmarkkreis Salzwedel vier ehrenamtliche Storchenbetreuer. Thomas Koberstein, ist einer von ihnen. Das primäre Ziel der Betreuer sei es, den Bestand im Landkreis möglichst aufrechtzuerhalten. Austrocknende Gebiete, Nahrungsmangel und ungewöhnliche Wetterlagen sollen dies nämlich erschweren.

2022 gab es laut Koberstein im Altmarkkreis insgesamt 110 Storchenpaare, wovon 82 erfolgreich Junge großziehen konnten. 184 Jungstörche sind ausgeflogen. „Außergewöhnlich viele Erstbrüter sind im vergangenen Jahr zurückgekehrt“, sagte Koberstein. Wer sich noch fragt, warum Störche überhaupt in den Süden fliegen: Der Grund ist die Nahrung, an der es im Tierpark glücklicherweise nicht mangelt. Kälte macht ihnen kaum etwas aus.

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