Von Woche zu Woche

Warum muss man den Wolf mögen?

Müssen wir uns wirklich die Meinung aufdrängen lassen, dass es schön ist, dass der Wolf nach 150 Jahren wieder da ist? Darf nicht jeder seine eigene Ansicht dazu haben?

Und: Brauchen wir Altmärker wirklich eine Wolfs-App für unser Smartphone, die die Naturschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) in dieser Woche angekündigt hat? Sie soll explizit in der Altmark ebenso wie eine Info-Broschüre für Akzeptanz des Grauwolfs in unserer Region sorgen.

Politisch korrekt ist die Aussage: Willkommen Wolf! Unter der Hand heißt es: Wir wollen den Wolf nicht, aber das darf man ja nicht laut sagen.

Wie soll man auch den Land- und Tierwirten das Raubtier schmackhaft machen. Es ist seine Natur, zum Beispiel Schafe zu reißen. Das kann man ihm nicht übel nehmen. Und dass der Wolf auch von der Mehrheit der Jäger abgelehnt wird, ist ebenso verständlich. Er reißt Wild, das ist seine Natur. Die ablehnende Haltung der Tierhalter und Jäger wird auch eine App nicht verändern. Da kann man tausendmal betonen, dass man die Nutztiere mit speziellen Zäunen schützen kann, dass der Wolf nur junges und krankes Wild reißt, also Auslese betreibt. Den Gegnern wird der Kamm schwellen, wenn sie hören, dass jetzt auch noch EU-Geld für eine 42-seitige Info-Broschüre und eine Wolfs-App ausgegeben wird, die sich vermutlich eh kaum ein Altmärker her-unterlädt. Aus Prinzip nicht.

Einer der Mit-Autoren ist Wolf Fischer, Experte für das Anti-Wolf-Aufrüsten am Zaun. Er ist Mitarbeiter des Zentrums für Tierhaltung und Technik in der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG) in Iden und schult Land- und Tierwirte, Nebenerwerbslandwirte und Hobbytierhalter der Altmark in Sachen wolfssicherer Zaunbau. Das ist gut und wichtig, allein in der Ostaltmark gibt es 1000 Nutz- und Hobbytierhalter, die ihre Schafe, Ziegen und ihr Gehegewild schützen wollen – und müssen. Wie das am besten geht, das interessiert die Tierhalter. Sie müssen den Wolf nicht mögen, sie müssen, ob sie wollen oder nicht, akzeptieren, dass er da ist. Das gilt genauso für die Jäger.

Bei ihnen dafür zu werben, den Wolf zu mögen, ist wohl vergebene Liebesmüh. Und verprasstes Geld. Man darf sich auch fragen, ob das ganze Wolfsmonitoring wirklich sein muss. Ob nicht das Geld dafür besser beim Schutz vor dem Wolf angelegt ist.

Wir haben doch auch kein Monitoring dafür, wie viel Muffelwild es in der Altmark noch gibt. Und Hochrechnungen dazu, wann der Wolf es ausgerottet haben wird. Denn klar ist doch, dass die Wildschafe, die aus Korsika stammen und nur über kurze Distanzen flüchten können, leichte Beute für Canis lupus sind. Die Wolfsbefürworter sagen: Das Muffelwild gehört nicht in die Altmark, der Wolf schon, er war ja mal da. Das Muffelwild ist doch aber auch da, hat sich seinen Lebensraum hier erobert. Neubürger wie Waschbär & Co. gehören auch nicht hierher. Für sie gibt es auch kein Monitoring in diesem Ausmaß, kein eigenes Projektbüro wie zum Beispiel das für den Wolf in Arneburg, das die WWF in enger Zusammenarbeit mit der Landesreferenzstelle Wolfsschutz im Biosphärenreservat Mittelelbe koordiniert.

Es ist die Natur dieser Neozoen aus Nordamerika, unser Niederwild zu fressen, die Gelege geschützter Vögel zu vertilgen. Das Geschrei wird erst groß sein, wenn der Kleinbär Niederwild- und Vogelarten ausgerottet hat.

Warum also macht man so viel Wirbel um den Wolf, so viel Werbung dafür, dass man ihn mögen muss. Jeder darf bitteschön seine eigene Meinung dazu haben.

Von Ulrike Meineke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare