Planungskosten kommen noch dazu / Fraktionschef irrt sich

Waldbad Liesten: Kein Fördertopf in Sicht

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Sachsen-Anhalts Sportminister Holger Stahlknecht (r.) hatte bei seinem Besuch am 3. August 2017 in Liesten keinen Zweifel offengelassen, dass sein Ressort dem Waldbad nicht helfen könne.

Salzwedel / Liesten – Nach dem Finanz- hat auch der Hauptausschuss der Aufnahme des Liestener Waldbades in den Haushalt 2020 zugestimmt. Nun hat der Stadtrat mit dem Haushaltsbeschluss 2020 das letzte Wort.

Allerdings gebe es noch eine Änderung. Bislang war auf Antrag der Linken folgendes vorgesehen: Die Stadt sollte 260 000 Euro Fördermittel beschaffen und der Waldbadverein die gleiche Summe aufbringen. Im Haushalt soll dies mit einem Sperrvermerk versehen werden, sodass die Sanierung des Waldbades erst beginnen kann, wenn beide Partner ihren Anteil aufbringen.

Nun kommt noch ein Sümmchen zu den 580 000 Euro dazu: 85 000 Euro. Denn bislang waren die Planungskosten noch nicht berücksichtigt worden, informierte Bürgermeisterin Sabine Blümel und rechnete vor. 38 200 Euro müsste die Stadt zusätzlich über Fördermittel einwerben, der Verein 46 800 Euro zusätzlich aufbringen.

Der Waldbadverein hat nach eigenen Angaben bereits 250 000 Euro Spenden- und Sponsoringgelder akquiriert und hofft auf 70 000 Euro Fördermittel aus dem Leader-Programm. Auch darauf ging die Bürgermeisterin ein: „Die Leader-Mittel würde der Verein nur bekommen, wenn dieser das Waldbad gepachtet oder gekauft hat.“ Der Verein müsse 366 800 Euro nachweisen. Mit den Fördermitteln, die die Stadt einwerben soll, stünde am Ende eine Waldbad-Sanierungssumme von 665 000 Euro mit Sperrvermerk im Haushalt 2020. Dem stimmten dann auch alle Hauptausschussmitglieder zu.

Nur: Es gibt ein Problem. „Ich habe keinen Fördertopf“, zuckte Bürgermeisterin Blümel mit den Schultern. Zwar habe die Bundesregierung erkannt, dass nach 50 Jahren an den Bädern endlich etwas getan werden müsse, so Blümel, aber ein Förderprogramm sei noch nicht in Sicht. „Wenn wir etwas bekommen, dann holen wir den Rest vom Verein“, schilderte Blümel das Nullsummenspiel für die Stadt.

Da polterte „Stadt bis Land“-Fraktionschef Wolfgang Kappler los: Landes-Sportminister Holger Stahlknecht solle gefälligst zu seinem Wort stehen. Schließlich habe dieser 2017 bei seinem Besuch im Waldbad dem Verein Hilfe zugesagt. Mitnichten. Stahlknecht hatte am 3. August 2017 in Liesten keinen Zweifel offengelassen, dass aus seinem Ressort für das Waldbad kein Geld fließen kann. Als Sportminister darf er nur Anlagen fördern, die von Sportvereinen genutzt werden. Das Liestener Waldbad ist jedoch eine kommerzielle Einrichtung. Pikant: Kappler war im August 2017 im Liestener Waldbad gar nicht bei den Gesprächen dabei, sondern nur zuvor im Werner-Seelenbinder-Stadion.

Dort hatte Stahlknecht allerdings Hilfe zugesagt. Sein Ressort könnte die Hälfte der Kosten für einen Kunstrasenplatz übernehmen, so der Stahlknecht. Daraufhin hatte Stadtrat Kappler den Minister ziemlich barsch angefahren: „Wir haben nicht mal das Geld für unsere Pflichtaufgaben. Hier müssen 90 bis 100 Prozent Fördermittel fließen.“

VON HOLGER BENECKE

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