Kreisseniorenrat stemmt sich gegen Vita-Verkauf / Einrichtung erneut zertifiziert

„Es wäre eine Schande“

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Der Kreisseniorenrat überreichte gestern das Zertifikat für seniorenfreundliche Pflege an die Vita (v.l.): Günter Haase, Christa Rietzschel, Christa Schindler, Vorsitzende Ute Nölle, Vita-Chefin Marion Vongehr-Bülow, Vita-Pflegedienstleiterin Hanka Bammel, Hannelore Reinecke, Jochen Rechtenbach, Edith Olms und Erika Schwarzbach.

Salzwedel. Die Seniorenzentrum Vita gemeinnützige GmbH erhielt gestern vom Kreisseniorenrat erneut das Zertifikat für seniorenfreundliche Pflege. Doch es gab auch harsche Kritik. Die traf aber nicht die Vita, sondern deren Noch-Eigentümer – die Stadt Salzwedel.

Wie berichtet will der Stadtrat die Vita verkaufen, um die Löcher der von ihm zuvor geleerten Kasse zu stopfen.

Der Kreisseniorenrat - er vertritt im Altmarkkreis derzeit knapp 20.000 Männer und Frauen - wollte wissen, wie viele der Volksvertreter sich denn bei der Vita vor und nach ihrem beabsichtigten Verkaufsbeschluss informiert haben. Nur ein einziger der 36 Salzwedeler Stadträte hat sich im Seniorenzentrum blicken lassen. Das zeige, mit welcher Wertschätzung den Senioren gegenübergetreten werde. Man sehe genau, wer wie handele und wer sich hinter Scheinargumenten verstecke, so die Einschätzung.

„Ich habe dieses Kind hier mit geboren und möchte, dass das Heim erhalten bleibt“, wurde Christa Rietzschel deutlich. Und meinte damit unter der Obhut der Stadt. Denn dass sich kümmern um ihre Senioren sei eine der Säulen einer Kommune, strich Rietzschel heraus. Dabei stellte sie nicht in Abrede, dass alle Heime ihr Bestes geben.

Noch deutlicher wurde Günter Haase: „Es wäre eine Schande für die Stadt, wenn die Vita verkauft wird. Aber Politiker werden für ihre Taten ja nicht zur Verantwortung gezogen.“ Haase forderte den Kreisseniorenrat, dessen Vorsitzender er einmal war, auf, sich stärker für die Vita zu engagieren. Ein Anfang wäre eine Protestnote, so der Salzwedeler.

Hintergrund der Befürchtungen: Bei einem Verkauf könnten hauseigene Wäscherei, Küche und Wirtschaft aufgelöst und Stellen beim Pflegepersonal nicht mehr besetzt werden. Es sollte nicht um Profit, sondern es muss in erster Linie um die Menschen gehen, legte Günter Haase noch einmal nach.

Das Zertifikat wurde der Salzwedeler Vita bereits zum zweiten Mal verliehen.

Und dabei können die Vita, wie auch die Seniorenresidenz in Diesdorf, vor allem mit dem Kümmerfaktor punkten, ging Christa Rietzschel auf ein ganz spezielles Pflegethema ein: „Das Wort ,Zeit‘ wird dort ausgeklammert.“ Nichtsdestotrotz ist die Vita ein profitables Unternehmen und hat der ständig klammen Stadtmutter schon einmal unter die Arme gegriffen. Im Jahr 2004 gab mit 2,056 Millionen Euro einen mehr als kräftigen Schlag aus dem Seniorensuppentopf der Vita.

Von Holger Benecke

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Senioren im Altmarkkreis

Im Altmarkkreis Salzwedel gibt es 13 vollstationäre Heime mit rund 650 Pflegeplätzen.

2015 gab es 590 Pflegeplätze, 2020 wird mit 634 und 2025 mit 691 gerechnet. Denn statistische Berechnungen gehen für 2020 im Altmarkkreis von über 21.000 Senioren (über 65 Jahre) und fünf Jahre später von knapp 23.000 Senioren aus.

Im Seniorenzentrum Vita gGmbH in Salzwedel sind 150 Pflegeplätze in zwei Häusern sowie zehn Tagespflegeplätze vorhanden und belegt.

Auch bei einem Anstieg der Zahl der alten Menschen und dem damit verbundenen Anstieg der Pflege setzt die Gesellschaft nicht so sehr den Bau von noch mehr Heimen, sondern auf eine häusliche Pflege, damit die Senioren so lange wie möglich selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden bleiben können.

Die Stichworte für die Zukunft sind: ambulant vor stationär bzw. Rehabilitation vor Pflege.

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