Nach Tierheim-Aus

Vorsitzende des Tierschutzvereins Salzwedel zieht Bilanz: „Wir sind unfair behandelt worden“

Antje Gebert, Vorsitzende des Tierschutzvereins Salzwedel, mit Mischlingshund Rudi: „Wir sind sehr unfair behandelt worden.“
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Antje Gebert, Vorsitzende des Tierschutzvereins Salzwedel, mit Mischlingshund Rudi: „Wir sind sehr unfair behandelt worden.“

Salzwedel – „Das hat sich dann erledigt mit dem Salzwedeler Tierheim“, sagt Antje Gebert, Vorsitzende des Tierschutzvereins Salzwedel, auf Nachfrage der AZ.

Sie geht davon aus, dass die Stadt Salzwedel nach dem Aus für das Areal in Hoyersburg kein neues Grundstück suchen werde, wo ein neues Tierheim gebaut werden könnte.

„Das war ein abgekatertes Spiel“

„Frau Bürgermeisterin wollte eh keins“, so Gebert und verweist als positives Beispiel in Sachen Tierheim in Richtung Gardelegen: „Dort steht die Hansestadt, anders als in Salzwedel, hinter ihrem Tierheim.“ Zuvor bestätigte die Vize-Chefin des Allgemeinen Tierhilfsdienstes in Ahlum und stellvertretende Tierheimleiterin, Jana Kersten, der AZ, dass der Ahlumer Verein infolge des hohen Sanierungsbedarfs den Kauf des leer stehenden Areals in Hoyersburg ablehnt.

Das Vorgehen der Salzwedeler Stadtverwaltung in Sachen Hoyersburger Tierheim-Politik verwundert die Peckensenerin Antje Gebert sehr: „Das war von Anfang an ein abgekartetes Spiel: Der Altmarkkreis Salzwedel verlangte zuerst Sachkunde-Nachweise unserer Tierheim-Mitarbeiter. Dann wurde gesagt, wir bekommen nur eine Betriebserlaubnis, wenn wir einen Pachtvertrag mit der Stadt vorweisen können“, so Gebert. Die Stadtverwaltung habe dann im Gegenzug so argumentiert, dass es keine Aussicht auf einen Pachtvertrag gebe, wenn keine Betriebserlaubnis vorliege.

„So beißt sich die Katze selbst in den Schwanz“, meint Antje Gebert mit sarkastischem Unterton und wettert über „Schikanen und Behördenwillkür“, die sie diesbezüglich in den vergangenen Monaten erlebt habe. Derweil wuchert im leer stehenden Hoyersburger Tierheim das Gras auf den Wegen. „Es ist ein Krampf, das mit ansehen zu müssen, während wir hier ständig Anrufe kriegen, um kranke, verletzte oder verwahrloste Tiere unterzubringen oder zu vermitteln“, sagt Gebert.

Überwiegend taube Ohren im Stadtrat

Seit Juni 2019 sei ihrem Verein die Betriebserlaubnis für das Areal in Hoyerstburg entzogen worden, ab November dann die Räumung und die Arbeitsverträge liefen aus. „Und seit Januar steht das Salzwedeler Tierheim an der Hoyersburger Straße komplett leer und gammelt vor sich hin“, beschreibt die Vereinsvorsitzende.

Der Tierschutzverein Salzwedel selbst existiert derweil noch. Er kann aber nur noch Futterspenden verteilen und Tiere vermitteln, was aber aus Platzgründen immer schwieriger wird. Aktuell kam gerade ein Hilfe-Anruf von einer Frau, die sechs Katzen retten wollte. „Es geht den zuständigen Behörden aber vermutlich nicht um die Tiere“, so Antje Gebert.

Von den vergangenen Querelen, Klagen und persönlichen Schuldzuweisungen im Zusammenhang mit der Schließung des Hoyersburger Heimes, hat sie mittlerweile genug. Ihr Verein habe in den vergangenen 30 Jahren dort 250 000 Euro in Ausrüstung und Gebäude investiert. Geberts kurz vor der Schließung neu aufgestelltes Team habe nach eigener Darstellung alle vergangenen Unstimmigkeiten überwunden. Bei allen Stadtratsfraktionen habe sie vorgesprochen und sei dabei überwiegend auf taube Ohren gestoßen. „Warum stärkten sie diesem guten Team nicht den Rücken und gaben ihm eine Chance?“, fragt die Tierhomöopathin. Sie vermutet, dass „Interessen Dritter und Kalkül dahinter stehen“.

Nahezu seit einem Jahr werden in Hoyersburg keine Tiere mehr aufgenommen. Nach der Kündigung des Pachtvertrages seitens der Hansestadt Salzwedel und der Räumungsklage gegen den Tierschutzverein wegen mutmaßlich fehlender Qualifikationen, beauftragte die Stadtverwaltung den Allgemeinen Tierhilfsdienst Ahlum mit der Aufnahme und Betreuung von herrenlosen und verwahrlosten Tieren.

„So geht man nicht miteinander um“

Mit dem nun ausgeschlagenen Kaufangebot für das Hoyersburger Areal seitens der Ahlumer scheint endgültig ein Schlussstrich gezogen worden zu sein. „Als Fazit kann ich nur sagen, dass wir sehr unfair behandelt wurden. So geht man nicht miteinander um“, zieht Antje Gebert traurig Bilanz.

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