Schriftsteller Uwe Friesel verlässt Salzwedel in Richtung Buxtehude

Von den Beatles bis zu Charlie Chaplin

Mann
+
Schriftsteller Uwe Friesel lebt seit 2010 in Salzwedel. Aus gesundheitlichen Gründen zieht er nach Buxtehude.
  • vonArno Zähringer
    schließen

Ein prominenter Salzwedeler verlässt die Stadt: Schriftsteller Uwe Friesel zieht es Mitte Juni aus gesundheitlichen Gründen nach Buxtehude. Friesel (82), der sich in der Hansestadt in vielen Bereichen engagiert und viele Lesungen bestritten hat, behält die Baumkuchenstadt in guter Erinnerung. Der Satz „Ich bin gerne hier“, den er vor mehr als elf Jahren bei seinem Umzug aus Stockholm verwendete, hat auch heute noch Bestand. „Weil es mir so eine Art normales Leben ermöglicht“, sagt Friesel.

Salzwedel - Die Entscheidung, mit seiner schwedischen Lebensgefährtin Birgitta Sjöblom nach Buxtehude zu ziehen, ist ihm nicht leicht gefallen. Doch Uwe Friesel ist an Essentieller Thrombozythämie, kurz ET, erkrankt. Das ist – vereinfacht gesagt – eine blutkrebsähnliche Erkrankung, die durch eine chronische Erhöhung der Thrombozytenzahl charakterisiert ist. Eine Heilung ist nicht möglich. Die Therapie kann aber die Beschwerden der Patienten verringern und zugleich Komplikationen vorbeugen. Nur wenige Ärzte können sie anbieten. Einer davon praktiziert in Hamburg.

Mieten sind gerade noch zu finanzieren

Seit die direkte Bahnstrecke von Salzwedel nach Hamburg nicht mehr bedient wird, benötigt Friesel rund 3,5 Stunden, um ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Von Buxtehude aus sind es lediglich 50 Minuten, weil die Stadt an das S-Bahn-Netz nach Hamburg angeschlossen ist. Weitere Gründe für das neue Domizil in Buxtehude: Die Mieten sind „dort gerade noch finanzierbar“, zudem ist in der Hansestadt der Verlag Expeditionen ansässig, in dem seine Bücher erscheinen.

Uwe Friesel ist in seinem Leben viel herumgekommen. Viele Jahre davon im Ausland, in den USA (San Francisco), in Italien und Schweden. Als freier Autor hat er Romane, Erzählungen, Lyrik, Jugendbücher und Hörspiele veröffentlicht. Von seinen Texten gibt es Übersetzungen ins Englische, Tschechische, Russische, Französische und Italienische. Bekannt geworden ist er insbesondere mit seinen gesellschaftskritischen Kriminalromanen um den frühpensionierten Kriminalrat Guido Blankenhorn. Seine wichtigsten Romane sind „Im Schatten des Löwen“ und „Sein erster Fall“, die beide mehrere Auflagen erlebten.

Aber auch als Übersetzer von Werken Vladimir Nabokovs („Fahles Feuer“ und „Ada oder Das Verlangen“) sowie John Updikes („Die Hexen von Eastwick“) hat er sich in der literarischen Welt einen wohlklingenden Namen gemacht. Zudem war Friesel als Lektor, Dramaturg und Mitbegründer der Autoren-Edition im C. Bertelsmann Verlag tätig. Und er gehört dem PEN-Zentrum Deutschland an.

Doch Uwe Friesel ist nicht nur Literat, sondern ebenso ein politischer Mensch mit kritischem Verstand. Davon profitierte auch der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS), in dem er sich seit 1969 engagierte. Von 1976 bis 1977 fungierte er als Beisitzer im Bundesvorstand und von 1989 bis 1991 Vorsitzender. Nach der Wiedervereinigung wählten ihn die west- und ostdeutschen Autoren in Travemünde zum ersten gesamtdeutschen VS-Vorsitzenden (bis 1994). Darüber hinaus ist Friesel Mitbegründer der beiden internationalen UNESCO-Literaturzentren in Visby Baltic Center 1993 und Rhodos IWTCR 1996.

Im Laufe seines Lebens hat der 82-Jährige zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Unter anderem den Rompreis Villa Massimo oder den Nicolas-Born-Preis (vormals Großes Künstlerstipendium des Landes Niedersachsen). Nach Salzwedel kam er nach einem Aufenthalt im Künstlerhof Schreyahn (Wendland).

Spaziergang am Genfer See

Viele Anekdoten kann Uwe Friesel aus seinem ereignisreichen Leben erzählen. Anfang der 60er Jahre lebte er in Hamburg und kam eines Abends mit vier abgerissenen britischen Musikern zusammen, die sich in verschiedenen Clubs die Finger heiß spielten. Im Nachhinein stellte sich heraus, es waren die Beatles, „mit denen ich ein paar Bier getrunken habe“, erzählt Friesel schmunzelnd.

Jahre später war er mit dem Verleger Rowohlt am Genfer See unterwegs, um mit „dem Sprachgenie Nabokov“ die Übersetzung seiner beiden Hauptwerke „Wort für Wort durchzugehen“. In einer Arbeitspause schlenderte Friesel am Genfer See entlang, entdeckte dabei Nabokov in Hemdsärmeln, der sich mit einem elegant gekleideten Herrn unterhielt – Charlie Chaplin.

Mitte Juni verlässt Friesel nun Salzwedel. Aber er wird Kontakt halten. Denn zum einen ist die Lesung „Irgendwie ging alles sehr schnell“ mit Piano-Begleitung im Kunsthaus geplant, zum anderen möchte er seinen neuen bislang noch nicht veröffentlichen Roman vorstellen. Grund: „Er spielt zu großen Teilen in Salzwedel.“ Für die Stadt wünscht er sich „vermehrten Zuzug von interessanten Menschen“. Denn mit Ausnahme von „Swastika“-Schmiererein war er gerne hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare