1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Salzwedel

Tankrabatt: Im Schnitt 20 Cent bei Benzin und neun Cent bei Diesel Luft nach oben

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Lydia Zahn

Kommentare

tankstellensäule
Die Spritpreise wurden am 1. Juni gesenkt. Aber schon den Tag danach kletterten sie bereits wieder Stück für Stück nach oben. © Heymann, Jens

Die Spritpreise sollten ab dem 1. Juni eigentlich günstiger werden. Waren sie auch – für einen Tag. Seitdem ist von der versprochenen Entlastung nicht mehr viel zu sehen, zum Leidwesen der Kunden und Tankstellenbetreiber.

Salzwedel – Um knapp 35 Cent sollte der Benzin- und um rund 17 Cent der Dieselpreis sinken. Davon ist an den Zapfsäulen jedoch wenig zu sehen. Auch in Salzwedel hält sich die Zwei hartnäckig vor dem Komma. „Beim Super fehlen im Durchschnitt 20 Cent und beim Diesel um die neun Cent zum versprochenen Rabatt“, weiß Heike Burchardt, Pächterin der Salzwedeler SB-Tankstelle, die stets einen Blick auf die Zahlen hat.

Wie immer sind es die Angestellten hinter der Kasse, die sich die Beschwerden der Kunden über die hohen Spritpreise anhören dürfen. Dabei können diese nichts dafür. „Wir bekommen unsere Provision, die ist fest, egal wie viel der Liter kostet“, macht sich auch Norbert Schilling von der Q1-Tankstelle an der Warthe Luft. Und unterstreicht: „Wir sind bloß der Verkäufer der Kraftstoffe.“

Nach einem Tag stiegen Preise wieder

Wie lange sich der versprochene Tankrabatt gehalten hat, ist überschaubar: einen Tag. Heike Burchardt hat mit der AZ einen Blick auf die sich stetig wechselnden Spritpreise geworfen. Eine weitere Sache, die der Tankstellen-Chefin böse aufstößt: „Das versteht doch kein Mensch, dass das so oft umgestellt wird. Vor 20 Jahren war das einmal morgens, mittags und abends. Jetzt manchmal stündlich“. Denn die Preise werden nicht von den Tankstellen selbst, sondern von den Zentralen gesteuert.

Am 31. Mai, kurz vor der von der Bundesregierung versprochenen Senkung, stiegen die Preise noch einmal an, geht aus den Unterlagen von Heike Burchardt hervor. Um 22 Uhr lag der Dieselpreis bei 2,129 und Super bei 2,239 Euro. „Um 1 Uhr, am 1. Juni, ist der Super auf 1,899 und Diesel auf 1,959 Euro umgesprungen“, erklärt Burchardt. Über den Tag gab es leichte Schwankungen, allerdings nicht so viele wie sonst. Der beste Preis für Benzin war an diesem Tag 1,879 und 1,959 Euro für Diesel. Doch schon einen Tag später stiegen diese auf 1,919 für Benzin und 2,019 Euro für Diesel.

„Für mich ist das Betrug am Kunden“, bringt es Burchardt auf den Punkt. So sieht das auch Norbert Schilling: „Der kleine Bürger ist angesch...“ Seiner Meinung nach, die auch die SB-Chefin teilt, sind die einzigen, die davon profitieren, die Mineralölindustrie und der Staat. Dabei seien vor allem in ländlichen Regionen, wie der Altmark, die Menschen auf das Auto angewiesen und könnten nicht mal eben so darauf verzichten. „Salzwedel ist die Stadt in Deutschland, die am weitesten von einer Autobahn entfernt ist. Wir müssen ja fahren. Das Verkehrsnetz ist nicht so ausgebaut, wie in anderen Städten. Da haben die Pendler gar keine andere Wahl, als aufs Auto zurückzugreifen“, betont Burchardt.

„Es kommt nicht da an, wo es sollte“

Auf die eingeleitete Untersuchung der Raffinerie- und Großhandelsebene des Bundeskartellamtes setzt sie auch nicht allzu viel Hoffnung. „Die hätten gleich eingreifen müssen, jetzt ist es zu spät. Was will das Kartellamt da noch machen? Ich denke nicht, dass sich da noch was ändert“, ist sie sich sicher. Der Tankrabatt gilt übrigens genauso wie das 9-Euro-Ticket für drei Monate – Juni, Juli und August.

„Ich bin einfach wütend und gleichzeitig traurig. Mir fehlen die Worte für die Preispolitik. Es kommt nicht da an, wo es sollte“, meint Burchardt. Sie sieht die Bundesregierung im Handlungsbedarf. Und neben der fehlenden Entlastung belastet die aktuelle Situation die Tankstellen. Desto teurer der Sprit, desto weniger tanken, was wiederum auch die Einnahmen durch den Shop mindern, woran die Existenz der Tankstellen gebunden ist.

Auch interessant

Kommentare