Frauenhaus soll anders finanziert werden und mehr Geld für Personal erhalten

Volles Haus und knappe Kassen

Frauenhäuser bieten Frauen und deren Kindern Schutz vor häuslicher Gewalt und Stalking. Die Salzwedeler Einrichtung gibt es seit dem 1. Januar 1991. Es ist die Einzige ihrer Art im Altmarkkreis und betreut im Jahr etwa 100 Hilfesuchende. Fotos: dpa / J. Heymann
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Frauenhäuser bieten Frauen und deren Kindern Schutz vor häuslicher Gewalt und Stalking. Die Salzwedeler Einrichtung gibt es seit dem 1. Januar 1991. Es ist die Einzige ihrer Art im Altmarkkreis und betreut im Jahr etwa 100 Hilfesuchende.
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Salzwedel / Altmark. Wenn Opfer von häuslicher Gewalt oder von Stalking (das dauerhafte Verfolgen oder Belästigen einer Person) vor dem Salzwedeler Frauenhaus stehen, haben sie meist nicht mehr dabei als die Kleidung am Körper und gegebenenfalls ihre Kinder.

So berichtet Frauenhaus-Teamleiterin Liane Kretschmar aus dem Alltag der Einrichtung, die es seit dem 1. Januar 1991 in der Hansestadt gibt.

Nach einigen ruhigen Jahren wird das Frauenhaus wieder stärker beansprucht. „Das Haus ist derzeit voll“, sagt Kretschmar. Mit vier Frauen und acht Kindern. Die Anzahl der Hilfesuchenden übersteige die Kapazität der Einrichtung, berichtet sie weiter. Daher können nicht alle Frauen, die Zuflucht suchen, aufgenommen werden. „Wir bieten jedoch immer eine Alternative an“, ergänzt die Teamleiterin. Besonders eng sei die Kooperation mit dem Frauenhaus in Stendal. Es betrifft etwa 15 bis 20 Hilfesuchende im Jahr, heißt es.

Kapazitätsprobleme hat es vor einigen Jahren noch nicht gegeben. Finanzlücken dagegen schon. Aus Kostengründen hatte sich das Salzwedeler Frauenhaus vor einigen Jahren verkleinert. Platz, der nun gebraucht würde. Der chronische Geldmangel zeigt sich besonders beim Renovieren der Räume. Zum 25. Geburtstag im vergangenen Jahr kamen viele Spenden in die Kasse. Dadurch konnten bislang einige der Räume neu gestaltet werden, fünf stehen noch aus.

Da das Frauenhaus auf Spenden angewiesen ist, sind Sponsoren – wie gestern der Energieversorger Avacon mit 1000 Euro durch Kommunalreferent Andreas Forke an Frauenhaus-Teamleiterin Liane Kretschmar (l.) und Gundula Köhler, zweite Vorsitzende des Trägervereins – immer willkommen.

In Finanzfragen soll sich allerdings etwas tun. Das Frauenhaus wird als freiwillige Aufgabe von Land, Kreis und Stadt am Laufen gehalten. Dazu kommen kleinere Beträge anderer Gemeinden, Nutzungsgebühren der Frauen und Spenden. Für 2018 und die Jahre danach liegt der Vorschlag für eine Neuregelung auf lokaler Ebene auf den Tischen der Rathäuser, dass die Gemeinden des Altmarkkreises 20 Cent je Einwohner beitragen und der Kreis selbst 20.000 Euro. „Mit der jährlichen Bettelei soll Schluss sein“, hatte etwa Salzwedels Bürgermeisterin Sabine Blümel gesagt.

Das Frauenhaus und dessen Trägerverein hoffen unterdessen auf Geld vom Land für weiteres Personal. Bislang kümmern sich zwei Sozialarbeiterinnen auf 30-Stunden-Basis um die Hilfesuchenden. Sie helfen bei Behördengängen und führen fachliche Gespräche. Wahrscheinlicher als eine Stundenaufstockung sei eine dritte Kraft, deutet Liane Kretschmar. „Wir könnten uns dann noch mehr auf die Arbeit konzentrieren“, blickt sie voraus.

Von Jens Heymann

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