Saling soll vor Grundstück fegen, das ihm seit 1929 nicht mehr gehört

Vitzker stellt Bürgermeister den Besen vor die Tür

Wolfgang Saling vor dem Grundstück, auf dem das Unkraut wuchert, seit es ihm nicht mehr gehört. Dass er dort nun für Ordnung sorgen soll, sieht der Vitzker nicht ein. Denn dieser Teil seines Hauses wurde der Gemeinde zugeschlagen. Foto: Benecke

Vitzke. Der 1949 geborene Wolfgang Saling soll vor einem Grundstück fegen, das er 1972 gekauft hat, das ihm aber seit 1929 nicht mehr gehört. Haben Sie nicht verstanden? Er auch nicht. Ist aber so. Die Sendung mit der Maus? Nein, die Arbeit mehrerer Ämter.

Von Wolfgang Salings Häuschen, das direkt an der B 248 eine Fläche von 141 Quadratmetern einnimmt, gehören dem Vitzker nur noch 101 Quadratmeter. Das hat in diesem Jahr das Landesamt für Vermessung und Geoinformation höchst amtlich festgestellt. Schuld daran sind die dicken Bleistiftstriche, die die Vermesser Anfang des vorigen Jahrhunderts auf die Karten gemalt haben. Die satellitengestützte Vermessung heutiger Tage ist genauer und bringt Saling so um 40 Quadratmeter seines Hauses. Die Grundstücksgrenze geht nun durch die Wohnstube.

Saling, der das Grundstück 1972 in gutem Glauben gekauft hatte, fühlt sich nun enteignet. Ein Rechtsstreit um die 40 Quadratmeter wäre zu teuer. Auch für ein Herausmessen der Fläche müsste er zwischen 2 000 und 3 000 Euro berappen. Zähneknirschend nimmt der Vitzker den nun höchst amtliche festgelegten Zustand hin. Doch während er noch darüber nachgrübelt, ob ihm die für die ihm nun nicht mehr gehörenden 40 Quadratmeter jahrelang zu viel bezahlten Grundstückssteuern rückerstattet werden, flattert ihm schon die nächste Amtspost ins Haus: Saling soll der Reinigungspflicht vor dem Grundstück, das ihm nicht mehr gehört, nachkommen.

Da platzte dem Vitzker der bis dahin schon ziemlich enge Kragen endgültig. Den Hinweis der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf, vor seinem eigenen Grundstück zu kehren, leitete Saling umgehend weiter. An den neuen Eigentümer seines alten Grundstücks. Und das ist die Gemeinde Kuhfelde. Die solle dann dort gefälligst auch fegen, meint Saling.

Auch die Verbandsgemeinde bekam Post von dem Vitzker zurück: „Mir ist die Reinigungspflicht sehr wohl bekannt, und ich halte diese vor meinem Grundstück auch ein.“ Die Betonung liegt auf „meinem“ Grundstück. Denn an den ihm verbliebenen 101 Quadratmetern hält Saling alles in Schuss.

Er hat inzwischen die Verbandsgemeinde auch darauf hingewiesen, dass es die von der Verwaltung bezeichnete Fläche gar nicht mehr gibt. Denn das hat er schriftlich vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation: „Mit Schreiben des Landesamtes vom 14. Juni 2012 wurde mir unmissverständlich mitgeteilt, dass die Fläche des Grundstücks 153 seit 1929 zu keinem Zeitpunkt mehr als 101 Quadratmeter betrug. Der aus damaliger Berechnung gemachte Fehler ist heute nicht mehr nachvollziehbar.“

Sehr gut nachvollziehbar ist für Saling, dass der Gemeinde nun das Grundstück gehört, diese dann dort auch zu fegen hat. Damit reicht der Vitzker den Besen weiter und stellt diesen Kuhfeldes Bürgermeister vor die Tür. Die Gemeinde Kuhfelde sei es gewesen, die das Nachmessen, durch das Saling einen Teil seines Hauses verlor, beantragt habe, hieß es aus dem Landesamt. Bürgermeister Frank Leskien schüttelte damals den Kopf. Die Gemeinde hätte auch kein Interesse an Salings Grundstück. Nun muss diese davor fegen lassen.

Noch während Wolfgang Saling sich mit dem Landesamt für Vermessung stritt, Bürgermeister Frank Leskien sich wunderte, ging eine dritte Behörde, die Verbandsgemeindeverwaltung Beetzendorf-Diesdorf, ihrerseits ihrer Arbeit nach und schrieb jene Grundstücksbesitzer an, die ihrer Reinigungspflicht nicht nachkommen. Doch bei Salings wurde inzwischen der Zustand von 1929 wieder hergestellt.

Von Holger Benecke

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