„Sie wollen unser Zuhause verkaufen“ / Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Vita-Heimbeirat im Harnisch

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„Hände weg von der Vita!“ Heimbewohner, Angehörige und Mitarbeiter protestieren gegen den Verkauf des Seniorenzentrums. 

hob Salzwedel. Die Gartenmöbel stehen auf den Balkonen, die Sonnenschirme sind aufgespannt, die Bewohner des Seniorenzentrums Vita genießen ihren Kaffee im Freien. Doch die Idylle trübt. Dunkle Wolken ziehen sich über dem Pflegeheim zusammen.

Die Stadt will die Einrichtung verkaufen. Senioren, Angehörige, Mitarbeiter und Salzwedeler sind dagegen auf die Barrikaden gegangen, protestierten vor dem Rathaus, in dem der Hauptausschuss tagte (wir berichteten).

Die endgültige Verkaufsentscheidung soll am 2. Mai im Stadtrat fallen. Und der tagt in Pretzier. „Das haben sie mit Absicht gemacht, damit wir nicht dabei sein können. Das ist Ausgrenzung“, unterstellte gestern der Vita-Seniorenrat den Stadträten. „Die sind noch nie bei uns gewesen, trotz Unterschriftensammlung. Die haben noch nie mit uns gesprochen und wollen unser Zuhause nun über unseren Kopf hinweg verkaufen“, sprach Heimbeiratsvorsitzende Gisela Oswald Klartext und erntete vollste Zustimmung. Die Stimmen aus den Reihen der Seniorenvertretung ließen es nicht an Deutlichkeit fehlen: „Will man uns unsere jetzige Heimat nehmen? Liebe Ratsmitglieder, auch ihr werdet einmal alt.“ Und weiter: „Frau Bürgermeisterin, waren Sie schon einmal im Vita-Heim? Wir möchten unsere letzten Jahre in Ruhe genießen.“ Zugleich erinnerten die Alten an jene Zeiten, in denen sie die Jungen waren und Deutschland gleich mehrfach aufgebaut haben: „Wir haben die Karre aus dem Dreck gezogen.“

Kritik hagelte es auch in Richtung Hauptausschuss, deren Abgeordnete während der Vita-Demo vor dem Rathaus „es nicht nötig hatten“, einmal herauszukommen und mit den Senioren über deren Sorgen und Nöte zu reden. „Es darf nicht soweit kommen, dass unser Heim verkauft wird. Hände weg von der Vita“, erneuerte der Heimbeirat gestern sein Bekenntnis.

Auch wenn es den Senioren nicht möglich sein wird, beim Stadtrat in Pretzier die Protestrassel zu schwingen, so wollen die Mitarbeiter dort erneut Flagge zeigen. Besonders die Mitarbeiter in Küche und Hauswirtschaft fürchten nach einem Vita-Verkauf um ihre Jobs. Doch die Senioren möchten auf ihre hauseigene Versorgung, die sogar eigene Brötchen backt, nicht verzichten.

Die 16 fleißigen Küchenmitarbeiter um Britta Sadlowski kochen jeden Tag 170 Portionen Vollkost, leichte Vollkost und berücksichtigen auch Wünsche der Bewohner. Und: Die 170 Portionen müssen tagtäglich auf sieben Stationen in drei Häusern verteilt werden. „Ihr sorgt für uns, dass es uns gut geht“, attestierten die Senioren gestern Birgit Sadlowski und ihrer Mannschaft. Und so sprach die Küchenchefin mit dem Heimbeirat auch gleich den auf die Jahreszeit abgestimmten Essenplan für die nächsten Wochen durch.

Auch ihre fünf Hauswirtschafter wollen die Vita-Bewohner nicht missen. Die sorgen dafür, dass alles blitzsauber ist und kümmern sich um die Wäsche der Bewohner, die montags, mittwochs und freitags dann frisch gewaschen und gebügelt wieder in die Schränke kommt.

Alles gewichtige Gründe, warum der Heimbeirat an dem bestens funktionierenden System der gemeinnützigen Vita GmbH festhalten will und sich vehement gegen einen Verkauf stemmt.

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