Der Bücherbus der Stadt- und Kreisbibliothek feiert ein Jubiläum

Violetter Flitzer wird 25 Jahre

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Immer noch ist der erikaviolette Bücherbus auf den Straßen der Altmark unterwegs. „Diesen würden die Bewohner der umliegenden Dörfer vermissen, wenn er nicht mehr fährt“, sind sich Kerstin Gromeyer, Birte Giese und Sascha Steinig-Pinnecke einig.

Salzwedel. Zirka vier Meter breit und fast 17 Meter lang ist das Gefährt auf dem Hof der Stadt- und Kreisbibliothek Salzwedel. Rund 304 000 Kilometer zeigt der Tacho.

Damit hat der Bus fast achtmal die Erde umrundet oder ist 660 Mal die zirka 230 Kilometerlange Strecke nach Berlin gefahren von Salzwedel aus. 8000 Medien, darunter verschiedene Bücher, DVD’s und Videospiele, können jede Woche im Bücherbus ausgeliehen werden. Seit 25 Jahren fährt der erikaviolette Flitzer, vom Typ Aabenraa Volvo B10 M, durch die Gefilden des Altmerkkreises Salzwedel und bringt die neusten, als auch bekanntesten Bestseller in die umliegenden Dörfer. Als das Fahrzeug das erste Mal den Hof verließ, waren alle Mitarbeiter gespannt, wie die neue Attraktion aus der Baumkuchenstadt von den Altmärkern angenommen wird.

Aller Anfang ist schwer

Ein großes Ereignis vor 25 Jahren für die Salzwedeler, der eigene Bücherbus. Kommunalpolitiker Holger Lahne (v.l.), Landrat Egon Sommerfeld und Bibliotheksleiterin Heidi Urban.

Von Montag bis Freitag fährt der Bücherbus seine Runden. Doch bis zum heutigen Tag mussten einige Hürden überwunden werden. „Das Fahrzeug wurde 1992 von der Bibliothek in Oschersleben abgekauft. Diese konnten das Gefährt finanziell nicht halten“, erinnerte sich die Diplom-Bibliothekarin Kerstin Gromeyer, die in der Stadt- und Kreisbibliothek Salzwedel arbeitet. „Bibliotheksleiterin Heidi Urban, Egon Sommerfeld, ehemaliger Landrat des Altmarkkreises Salzwedel, und damalige Vorsitzende des Kulturausschusses Christamaria Meyer setzten alle Hebel in Gang, um den erikavioletten Bus erwerben zu können.“

Es gab einige Stimmen, die wetterten gegen die Anschaffung des Fahrzeugs, doch der damalige Landrat war von der Idee so überzeugt, dass das Vorhaben umgesetzt wurde. „Das gesamte Team der Salzwedeler Bibliothek stand hinter dem Bücherbus“ resümierte Gromeyer. „Wir waren alle gespannt, wie unser Vorhaben angenommen wird.“

Die erste Tour

Mit Sekt wurde das erikaviolette Gefährt in Brunau, von Initiatorin Christamaria Meyer feierlich eingeweiht.

Dann war es soweit: Am 21. April 1993 wurde die erste Tour gefahren. Die Menschen standen teils in großen Anzahl am Straßenrand und begrüßten den Bus. „Es gibt heute immer noch Stammkunden, die seit dem ersten Tag dabei sind“, erklärte die Diplom-Bibliothekarin. „In Klein Bierstedt stand damals Jutta Nieber mit ihren Kindern. Sie ließ sich gleich registrieren, um sich Bücher ausleihen zu können. Bis heute ist sie uns treu geblieben.“

Siegfried Schneider Stadtdirektor (r.) und Landrat Egon Sommerfeld (l.) freuten sich über den neuen Salzwedeler Bücherbus.

Ein Erlebnis bleibt Kerstin Gromeyer bis heute im Gedächtnis: Als das dreiköpfige Team nach Immekath gefahren ist, fuhr vor ihnen ein Eiswagen. „Es war ein heißer Sommertag gewesen“, schilderte Gromeyer. Als sie dann den Ort erreichten, sahen sie schon von Weitem eine große Traube von Kindern, die auf dem Gehweg warteten. „Der Eiswagen stoppte einige Meter vor uns und wir hielten dahinter. Alle Kinder, die sich versammelten, kamen zu uns dem Bücherbus. Keines von ihnen ist zum Eiswagen gelaufen“, schmunzelte die ehemalige Leiterin des Bücherbusses über das besondere Ereignis.

Vor einigen Jahren hatte Kerstin Gromeyer ihr Aufgabenfeld gewechselt und ist die Leiterin der Kinderbibliothek geworden. Ihr Nachfolger ist Sascha Steinig-Pinnecke geworden, der bis heute Touren und besondere Veranstaltungen plant. „Wir fahren gut 128 Stationen in knapp 100 Dörfern in der Altmark an. Auch versorgen wir zirka acht Schulen und 19 Kindergärten mit verschiedenen Büchern“, erklärte der heutige Leiter des Bücherbusses. „Die Wochen sind immer voll ausgeplant mit Touren, doch nur sehr wenige mussten wir bis jetzt absagen. Wir richten uns bei schlechten Wetterlagen immer nach der PVGS. Fahren ihre Busse, so fahren wir ebenfalls mit unserem Gefährt auf die Straßen.“

Ungewisse Zukunft

Heute braust der erikaviolette Flitzer immer noch durch die Dörfer, doch sein Lebensende rückt mit jedem Jahr ein Stückchen näher. „Gut 30 Jahre kann der Bus alt werden – vielleicht auch mehr“, erklärte Gromeyer. Was danach passiert, wenn der Bus nicht mehr auf die Straße darf, kann auch die ehemalige Leiterin des Bücherbusses nicht voraussagen: „Die Zukunft bleibt ungewiss, aber ich denke – auch dafür wird eine Lösung gefunden werden.“

Doch nun soll am Freitag, 20. April, ab 9.30 Uhr auf dem Rathausturmplatz ordentlich Jubiläum gefeiert werden.

Von Paul W. Hiersche

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