OP-Skandal: Klinik und Chefarzt vor Arbeitsgericht / Ermittlungen gegen Chirurg

AZ-Exklusiv: Die vierte Kündigung

Gestern Vormittag verhandelten sie mit dem Klinikum vor dem Arbeitsgericht Stendal: Der geschasste Chefarzt Dr. Bernd Falkenberg (l.) und sein Anwalt Uwe Bitter. Foto: Benecke

Gardelegen / Stendal. Im OP-Skandal am Altmark-Klinikum Gardelegen hat die Staatsanwaltschaft Stendal jetzt den verantwortlichen Neurochirurgen im Visier: „Wir ermitteln gegen einen namentlich bekannten Operateur wegen fahrlässiger Körperverletzung“, erklärte gestern Behördensprecherin Bierte Iliev auf Nachfrage der Altmark-Zeitung.

Der Betroffene stehe im Verdacht, bei seiner Tätigkeit „die gebotene Sorgfaltspflicht außer Acht gelassen zu haben“, formuliert es die Staatsanwältin derzeit noch vorsichtig, denn: „Wir stehen am Anfang der Ermittlungen, das Verfahren wird in den nächsten Wochen womöglich noch ausgeweitet“, so Iliev weiter.

Dazu beitragen könnten auch mehrere Strafanzeigen verschiedener Krankenkassen aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, die zwischenzeitlich bei der Staatsanwaltschaft eingegangen sind. Hintergrund ist eine vertrauliche Liste mit den Namen von mehr als 60 Patienten, die in den letzten zwölf Monaten ohne ausreichenden Grund operiert worden sein sollen, die meisten an der Wirbelsäule. Verantwortlich soll in allen Fällen der Operateur gewesen sein, gegen den jetzt Ermittlungen laufen.

Bereits mehrfach hatten sich besorgte Ärzte des Klinikums an die Geschäftsleitung gewandt, weil sie um den Ruf des Krankenhauses fürchten. In einem Brief an den Aufsichtsratsvorsitzenden, Landrat Michael Ziche, weisen sechs leitende Ärzte auf „systematisch und mit Vorsatz“ durchgeführte Operationen in der Neurochirurgie hin, die „vor allen Dingen zur Umsatz- und damit Gewinnsteigerung“ dienten. Sie sprechen offen von Abrechnungsbetrug und Körperverletzung. Doch statt die Missstände aufzuarbeiten, setzt die Klinik offenbar die unterzeichnenden Ärzte unter Druck. Ein Oberarzt erhielt nach AZ-Informationen eine Abmahnung, gegen den Chefarzt wurden mittlerweile vier Kündigungen ausgesprochen. Gestern traf man sich vor dem Arbeitsgericht Stendal wieder.

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Von Thomas Mitzlaff und Holger Benecke

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