Kommentar von Altmark-Redakteur Kai Zuber zum Auftritt von Sachsen-Anhalts Bildungsminister beim Neujahrsempfang des Altmarkkreises in Winterfeld

Vier Minus, Herr Tullner, setzen!

Da war alles noch gut: Kurze Zeit später erntete Marco Tullner (r.) jede Menge Kritik für seine Rede.
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Da war alles noch gut: Kurze Zeit später erntete Marco Tullner (r.) jede Menge Kritik für seine Rede.

Live ist live – Nur das Original ist eben authentisch: Am besten man war selbst dabei, als Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) beim Neujahrsempfang des Altmarkkreises Salzwedel in Winterfeld das Grußwort hielt und sich dort ganz klar zu erkennen gab.

Dies hat vor Ort in der Festhalle Rustica bei den meisten der knapp 400 Anwesenden spontan für Unmut und Kritik gesorgt. Unter Pädagogen würde man sagen, Tullner hatte seine Klasse etwa ab der Mitte seines Vortrags nicht mehr im Griff. Wer sich als Lehrer den filmreifen Auftritt „seines Bildungsministers“ nicht entgehen lassen will, der hat in diesem Fall Glück.

Der Offene Kanal Salzwedel wiederholt den Neujahrsempfang. Unter anderem am morgigen Sonntag ab 11.50 Uhr und am Montag gleich mehrmals.

Der Redebeitrag hat kontroverse Reaktionen ausgelöst. Sie reichen von „nett gemeinter Scherz“ (von Gardelegens SPD-Bürgermeisterin Mandy Zepig auf Tullners Bemerkung, sie sei „in der falschen Partei“) bis hin zur handfesten Rücktrittsforderung an die Adresse des Ministers: „Sie sind eine Fehlbesetzung“, meint zum Beispiel Dr. Hans-Thomas Tillschneider, Sprecher für Bildung, Kultur und Wissenschaft der AfD-Landtagsfraktion. Der Privatdozent kennt Tullner aus dem Landesbildungsausschuss und wirft ihm „Realitätsverweigerung, mangelhafte Amtsführung, bodenlose Arroganz und eine fahrige Art“ vor.

Wie auch immer – wer von seinen Pädagogen selbst Kompetenz und politische Korrektheit verlangt, der muss als Chef mit gutem Beispiel vorangehen. Der darf eine Festrede nicht mit einer Büttenrede verwechseln. Von dem wird erwartet, dass er einen inhaltlich und rhetorisch einwandfreien Vortrag hält, dem jeder Zuhörer mühelos folgen kann. Von dem verlangt man, dass er zu konkreten Nachfragen seines Gastgebers Stellung bezieht, wo in Sachen Bildung in der Altmark der Schuh drückt, statt Phrasen und Plattheiten zu verbreiten. Von dem wird erwartet, dass er flapsige Bemerkungen nicht in ein offizielles Grußwort verpackt, wenn das von ihm geleitete Ressort im Bundesvergleich nur auf Platz 12 von 16 rangiert.

Nein, in Winterfeld war der Bildungsminister mit Verantwortungsbereich von Lehrermangel bis Inklusions-Wirren kein Vorbild seiner Zunft. Die harsche Kritik und die Pfiffe nach der Ministerrede waren mit Sicherheit kein „nett gemeinter Scherz“, sondern eher eine Leistungsbewertung, aus der viel Enttäuschung sprach: Vier Minus, Herr Tullner, setzen!

VON KAI ZUBER

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