Tierschützer und Jäger uneins über Entwicklung der Population

Viele Feinde sind der Hasen Tod

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Der Hase ist neben dem Ei seit Langem ein Ostersymbol. 

Altmark – Alarm zur Osterzeit: Muss bald ein anderer die bunt bemalten Eier bringen? Stirbt der Feldhase aus? Tierschützer und Jäger geraten sich darüber regelmäßig in die Wolle. Die Lage ist wohl regional differenziert zu beurteilen.

In unseren Breiten ist es tatsächlich nicht zum Besten um Meister Lampe bestellt.

„Wir halten es für völlig unverständlich, wenn eine auf der Roten Liste als gefährdet geführte Art, die kontinuierlich im Bestand abnimmt, nach wie vor jagdbar ist“, schimpft Lovis Kauertz, Vorsitzender der Stiftung Wildtierschutz Deutschland. Er fordert eine ganzjährige Schonzeit für den Feldhasen. Der Deutsche Jagdverband (DJV) hält mit den Ergebnissen seiner alljährlichen Hasenzählung dagegen. Einig sind sich beide in der Forderung nach mehr Artenvielfalt auf Feldern und Wiesen.

Von Frühjahr bis Herbst 2018 hätten die Bestände durchschnittlich um 18 Prozent zugenommen, teilt DJV-Vizepräsident Volker Böhning mit. Im Nordosten Deutschlands sind nur durchschnittlich fünf Hasen pro Quadratkilometer zu finden. Im benachbarten Nordwesten hoppeln dagegen 16 der langohrigen Gesellen auf gleicher Fläche umher. Im Bundesdurchschnitt sind es zwölf. Die Bestände des Feldhasens in Deutschland seien insgesamt weiterhin stabil, so der DJV. Die Stiftung Wildtierschutz bezweifelt Zählweise und Schlussfolgerung.

Die Altmark ist aus verschiedenen Gründen kein Hasen-Paradies. Lepus europaeus (so der wissenschaftliche Name), ursprünglich ein Steppenbewohner, liebt kleine Felder und weite Feldraine. Bei uns ist jedoch großflächige Landwirtschaft üblich. Frühere Tummelplätze wie die Magdeburger Börde, wo in den 1970er Jahren 25 bis 40 Hasen pro Quadratkilometer gezählt wurden, sind heute arm an Hasen. Auch andere Faktoren, wie kalte Winter und vor allem feuchte Frühjahre, haben negativen Einfluss auf die Population. In dieser Beziehung war 2018 ein günstiges Hasen-Jahr.

Auch tierische Feinde machen den Langohren das Leben schwer und selbigem oft ein Ende. Einer davon ist bekanntlich Reineke, der Fuchs. Vulpes vulpes hat sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten stark vermehrt. Auch Dachse und Marderhunde haben Hasenragout auf dem Speisezettel. Die Jäger wollen diesen Arten daher auch weiterhin mit Büchse, Flinte und Falle intensiv nachstellen.

Viel gefährlicher für die Hasenpopulation als jedes Raubtier, ist jedoch Homo sapiens sapiens (landläufig auch als der Mensch bekannt). Und das auf vielfältige Weise. Tod durch Erschießen kommt eher selten vor. Viel häufiger ist das Ableben nach einem Unfall im Straßenverkehr. Auch der gemeine Landwirt (unwissenschaftlich: Homo agraricus) hat seinen Anteil am Hasen-Tod. Gerade zur Osterzeit, wenn Meister Lampe „Hasenhochzeit“ feiert und die ersten Jungen auf der Welt sind, kommen viele buchstäblich unter die Räder landwirtschaftlicher Maschinen.

VON CHRISTIAN WOHLT

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