Kreative Mitarbeiter / Fachämter prüfen

„Notlösung“ seit einer Woche: Verwaltung macht aus Nazi-Schmierereien Fenster

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Nachdem Polizeibeamte an der historischen Leichenhalle zehn Hakenkreuze entdeckt hatten, malten Stadtbedienstete Fenster daraus.

Salzwedel. In der Hansestadt hat die Verwaltung eine ganz eigene Lösung gefunden, mit Nazi-Schmierereien umzugehen: Deren Mitarbeiter greifen selbst zum Pinsel beziehungsweise zur Spraydose und malen noch was dazu. So werden aus Hakenkreuzen im Handumdrehen Fensterchen.

Diese „Notlösung“ hält nun schon eine Woche an. Auch am Niephagener „Waldschlösschen“ (kl. Bild) wurden Fenster gemalt.

So geschehen an der historischen Leichenhalle am Salzwedeler Steintor und am zu Tylsen gehörenden Niephagener „Waldschlösschen“. Problem gelöst. Oder doch nicht? Die Leichenhalle wurde schon des Öfteren beschmiert – einfach so und auch mit politischen Parolen. Diesmal entdeckten Polizeibeamte die Hakenkreuze am Morgen des 14. März. Und informierten den Eigentümer. Dessen Mitarbeiter, also die Verwaltungsangestellten der Stadt Salzwedel, handelten umgehend. Und während die Streifenbeamten eine Anzeige nach Paragraf 86 a (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) schrieben, malten die Stadtverwalter aus den Hakenkreuzen Fensterchen. Und zeigten auch noch Kreativität: Denn der rechte Spruch wurde mit Figürchen übergesprayt.

„Eine Notlösung“, wie Stadtsprecher Andreas Köhler auf AZ-Nachfrage sagte. Die Not dauert nun schon eine Woche lang. Dabei werden Stadtverwaltung und Stadtrat seit Jahren nicht müde zu mahnen, illegale Graffiti sofort zu beseitigen, um den Schmierern die Freude am Einsauen fremder Häuser zu nehmen. Doch dieser Hinweis richtet sich offenbar nur an private Hausbesitzer. Auch der einmal für viel Geld angeschaffte, stadteigene „Tornado“ zum Beseitigen von Schmierereien wurde den Privaten angeboten.

Warum haben die Mitarbeiter der Stadtverwaltung den eigentlich nicht genutzt, um die zehn Zeichen und den Spruch zu beseitigen? Gleich oder etwas später? Warum wurde die Fassade inzwischen nicht übergestrichen? Die Fragen seien an die zuständigen Fachämter weitergeleitet worden. „Dort wird es geprüft“, so die Antwort aus dem Rathaus.

Inzwischen müssen sich Salzwedeler und Besucher die Fensterchen ansehen, von denen jeder weiß, was sie sind.

Von Holger Benecke

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