Mittellose Ungarn hausen unter menschenunwürdigen Zuständen in einem Hinterhaus-Stall

Verwahrlost mitten in Werben

Polizeieinsatz in Werben: Die Beamten holten drei mittellose, verwahrloste Ungarn aus einem ehemaligen Stall, in dem sie unter menschenunwürdigen Bedingungen gehaust hatten.
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Polizeieinsatz in Werben: Die Beamten holten drei mittellose, verwahrloste Ungarn aus einem ehemaligen Stall, in dem sie unter menschenunwürdigen Bedingungen gehaust hatten.
  • Ulrike Meineke
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Werben. Mitten in der kleinen Hansestadt Werben, an der Langen Straße, haben sich am Donnerstagabend dramatische Szenen abgespielt. Die Polizei holte drei mittellose und völlig verwahrloste Ungarn aus einem Stall, in dem sie unter unzumutbaren Zuständen gehaust hatten.

Der Hilferuf für diesen humanitären Einsatz kam von den Ungarn selbst. Sie sprechen kein Deutsch, hatten in ihrer Muttersprache die ungarische Polizei angerufen. Die wiederum verständigte die Kollegen in Stendal, die sich sofort auf den Weg nach Werben machten. Die Beamten klingelten an dem besagten Gehöft, in dem ein ungarischer Mann mit seiner Frau wohnt. Der Mann sprach Deutsch. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei den drei Personen im Stall des Hinterhauses um seine Mutter, seinen Vater und einen Bruder der Mutter, also einen Onkel.

Der Sohn erzählte den Beamten die ganze Geschichte – dass die Familie nach Deutschland kam, um hier zu arbeiten, aber keine Arbeit fand. Seit dem Sommer hätten Mutter, Vater und Onkel in einer normalen Wohnung in Werben gelebt, die sie aber nicht bezahlen konnten. So nahm der Sohn seine Angehörigen auf, richtete einen Stall notdürftig her.

In dieser Behausung gibt es weder Strom noch Wasser. Eine alte Ofenheizung spendete in den kalten November-Tagen wenigstens Wärme. Als die Polizisten auf die drei Ungarn trafen, waren diese in einem schlimmen Zustand.

Sie wurden nach Stendal in eine menschenwürdige Wohnung in der Asylunterkunft am Möringer Weg gebracht. „Alles Weitere ist nun Sache des Landkreises“, schildert Stendals Polizeisprecher Marco Neiß auf AZ-Nachfrage.

Da es sich bei den Ungarn um EU-Ausländer handelt, droht nun vermutlich die Abschiebung nach Hause.

Von Ulrike Meineke

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