Brandserie in Salzwedel: 18-Jähriger erhält vom Amtsgericht eine zweite Chance

Verurteilt, aber vorerst frei

Der angeklagte 18-Jährige kam gestern früh in Handschellen aus der Untersuchungshaft ins Salzwedeler Amtsgericht. Nach seiner Verurteilung und einer nun beginnenden sechsmonatigen Vorbewährung durfte er das Justizgebäude als vorerst freier Mann verlassen. Foto: J. Heymann
+
Der angeklagte 18-Jährige kam gestern früh in Handschellen aus der Untersuchungshaft ins Salzwedeler Amtsgericht. Nach seiner Verurteilung und einer nun beginnenden sechsmonatigen Vorbewährung durfte er das Justizgebäude als vorerst freier Mann verlassen.
  • Jens Heymann
    VonJens Heymann
    schließen

Salzwedel. Ein 18-Jähriger, suspendiertes Mitglied der Salzwedeler Feuerwehr und einer der Hauptakteure in der Brandserie von Oktober 2016, ist gestern durch das Amtsgericht wegen vierfacher Brandstiftung bzw. versuchter Brandstiftung zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Er muss aber nicht ins Gefängnis, sondern hat sechs Monate Zeit sich zu bewähren. Nach Ablauf dieser Vorbewährung soll entschieden werden, ob der gestern rechtskräftig Verurteilte die Gefängnisstrafe antreten muss oder ob sie zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wird. Der junge Mann, der das Gericht gestern nach vier Monaten Untersuchungshaft als vorerst freier Mann verließ, bekommt einen Bewährungshelfer an die Seite und muss weitere Auflagen erfüllen.

Der Verurteilte, laut eines Sachverständigen Einzelgänger, unreif und noch ohne Ausbildung, gab seine Beteiligung an allen Fällen zu. Rückblick: Am Abend des 3. Oktober 2016 sollen er und fünf weitere, darunter der ehemalige Jugendfeuerwehrwart, an der Mönchskirche Alkohol getrunken haben. Zunächst wollten sie an der Altperverstraße ein leer stehendes Haus anzünden, entschieden sich später jedoch für Autos auf dem Parkplatz am Chüdenwall. Den Grillanzünder holten sie aus der Garage des Jugendwarts, der dem 18-Jährigen und den anderen auch gezeigt haben soll, wie ein Auto am besten brennt – den Anzünder auf den Vorderreifen legen und entfachen. Danach seien sie geflüchtet und hätten beim folgenden Feuerwehreinsatz mit gelöscht. „Ein bescheiden schönes Gefühl“, so der Angeklagte.

Einige Wochen später kam die Truppe wieder zum „Scheiße bauen“ zusammen, schilderte er. Der Jugendwart habe die Carportanlage an der Comenius-Schule als Ziel genannt. Der 18-Jährige war schließlich derjenige, der das Feuer legte. Später zog er allein los, zündete ein Fahrzeug bei Auto Plus an und fuhr zum Bahnhof. Dort wurde er erwischt und überwältigt.

In der Untersuchungshaft hatte er gegenüber der Polizei alles eingeräumt. Und sogar wichtige Hinweise auf die noch fehlenden mutmaßlichen Mittäter, darunter den Jugendwart, gegeben, sagte ein Ermittler aus.

Der Schaden beläuft sich auf zirka 125 000 Euro. Als Motiv für die Taten zeigten sich zwei Dinge: der Wunsch des damals gerade Volljährigen nach einem Löscheinsatz sowie seine Suche nach Anerkennung.

Von Jens Heymann

Galerie

Mehrere Autos brennen in Salzwedel

Mehrere Autos brennen in Salzwedel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare