Später habe ein Zeuge ausgesagt, dass die Person, die aus dem Auto ausgestiegen sei, das Opfer H. in den Rücken gestochen habe. Allerdings konnte er keine konkrete Täterbeschreibung abgeben. Der Staatsanwalt führte aus, dies hätte auch A. gewesen sein können, der nach dem Anruf seines Bruders ebenfalls am Tatort aufgetaucht sei: ebenfalls kräftig, mit Glatze und vielen Tätowierungen.
Tatsächlich hatte A. bereits am 23. November ausgesagt, er sei von seinem Bruder angerufen worden, der ihm von einer Schlägerei mit „ausländischen Mitbürgern“ berichtete. Nach Aussagen des 28-Jährigen ging es um das Belästigen von Frauen. Er sei sofort zur Bar gefahren, um dem Bruder zu helfen. Vor Ort habe eine Straßenschlacht getobt. Tische, Stühle, Fahrräder und Bierflaschen seien durch die Luft geflogen.
Der Zeuge führte aus, dass sein Bruder auf dem Boden lag und getreten wurde. Als er versucht hätte, seinen Bruder zum Auto zu bringen, sei das nicht gelungen. Deshalb habe er wohl auf die Gegner eingeschlagen und wohl ein Messer in der Hand gehabt. Es könne sein, dass er den Mann dabei mit Stichen verletzt habe.
Der Staatsanwalt führte aus, dass die Zeugen die Person mit dem Messer verwechselt haben könnten: „Es gibt hier so viele Widersprüche im Tatverlauf, dass der Angeklagte freizusprechen ist und die Kosten die Staatskasse zu tragen hat.“
Dann hatten die beiden Verteidiger von Kay Sch. das Wort. Beide fassten sich kurz: „Wir schließen uns der Staatsanwaltschaft an. Der Angeklagte ist freizusprechen.“ Die Verhandlung habe zumindest ergeben, dass der Angeklagte wohl erst am Tatort erschien, als das Opfer bereits verletzt war. „Unser Mandant ist freizusprechen.“ Nach einer 15-minütigen Verhandlungspause verkündete dann Richter Galler Kay dann auch Sch´s. Freispruch. Er folgte damit den Ausführungen der Staatsanwaltschaft und bestätigte, dass eigentlich nur feststehen würde, dass es an jenem Abend zu einer Schlägerei gekommen sei. Allerdings, so führte der Richter aus, sei auch zu berücksichtigen, dass die Zeugen den Täter vor Ort nicht eindeutig hätten identifizieren konnten, sondern erst durch Bilder im Internet.
Das sei psychologisch auch erklärbar, da am Tatort zwei sehr ähnlich aussehende Männer gewesen seien, aber eine Identifizierung über das Internet könne nicht zur Verurteilung führen: „Diese psychologische Verschiebung darf nicht zum Nachteil des Angeklagten wirken.“
Als weiteren Grund für den Freispruch führte Richter Gallert an, dass an dem Abend auch der Angeklagte beim auf dem Boden liegenden Opfer gestanden hätte. „Es waren viele Menschen da. Aber niemand hat die Polizei aufgefordert, den Angeklagten mitzunehmen, weil er die Tat begangen hat. Das ist auch ein Indiz zu seinen Gunsten.“