Verschlossene Türen

Salzwedeler Bauernmarkt: Trittbrettfahrer-Affäre sorgt für Ärger am Gerstedter Weg

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Rüdiger Skalei (l.) und Peter Flechtner werden von Doreen Lyga-Schuchardt als „Trittbrettfahrer“ bezeichnet. Sie fühlen sich verleumdet und sehen ihre Kunden unter Druck gesetzt. Die Bauernmarktchefin sieht sich hingegen im Recht.

Salzwedel. Die öffentliche Aufmerksamkeit hätten sich die Kontrahenten gerne erspart. Nun aber weiß jeder Besucher des Salzwedeler Bauernmarktes, dass es am Gerstedter Weg derzeit viel böses Blut gibt.

Doreen Lyga-Schuchardt

Grund dafür ist das, was neben dem Bauernmarkt passiert. Dort, vor dem Reitstadion, haben einige Händler ihren Stand aufgebaut, darunter Peter Flechtner von der Bäckerei Freund und Rüdiger Skalei vom Gasthaus „Altstädter Bahnhof“. Sie sind kein Teil des Bauernmarktes, aber dennoch donnerstags vor Ort, wenn dieser öffnet. Das ist Bauernmarkt-Chefin Doreen Lyga-Schuchardt ein Dorn im Auge. „Trittbrettfahrer“, argumentiert sie. „Sie könnten sich ja schließlich an den anderen Tagen dort hinstellen.“ So aber würden sie vom Kundenmagnet Bauernmarkt profitieren, ohne die Kosten desselben zu tragen.

Standgebühren zahlen Flechtner und Skalei stattdessen an Carolin Hornkohl vom Reitstadion. Was auf deren Grundstück passiert, liegt außerhalb der Handhabe Lyga-Schuchardts. Mehr als ein paar Megafondurchsagen kann sie nicht unternehmen.

Die schwierige Situation hat sich aus einem Streit Ende des vergangenen Jahres ergeben. Damals waren Peter Flechtner und sein Bäckereistand noch Teil des Bauernmarktes gewesen. Als die Marktchefin die Standgebühren aufgrund gestiegener Nebenkosten anhob, sprach der Bäckermeister bei ihr vor. Was genau in der Folge passiert ist, lässt sich objektiv nicht mehr nachvollziehen. Auf jeden Fall ergab ein böses Wort das nächste. Mit der Folge, dass Peter Flechtner vom Bauernmarkt „beurlaubt“ wurde, wie es Lyga-Schuchardt nennt.

Dies war zunächst für ein Vierteljahr angedacht. Doch die Bäckerei stellte sich nach Angaben der Bauernmarktchefin trotz Sperre auf dem Nachbargrundstück auf.

„Wir mussten eine unternehmerische Entscheidung treffen, da der Ertrag des Bauernmarktgeschäfts einen beachtlichen Stellenwert im Gesamtumsatz unserer Firma eingenommen hatte“, rechtfertigt Peter Flechtner diesen Schritt. Den Kontakt mit dem Reitstadion hätten sie eigenständig gesucht und infolgedessen einen Platz auf dem Parkplatz davor bekommen. „Zur Freude unserer Kunden“, wie der Bäckermeister sagt.

Von Doreen Lyga-Schuchardt gab es daraufhin eine dauerhafte Marktsperre und Hausverbot. „Die Tür ist zu für Bäckerei Freund“, erklärt sie. Auch deshalb, weil längst ein neuer Bäcker vor Ort ist.

„Man muss das Maul halten, dann läuft es“, sagt Peter Flechtner rückblickend. Er ist der einzige Händler, der rausgeflogen ist. Alle anderen zahlen die neuen Standgebühren des Bauernmarktes. Fünf Jahre gehörte er dazu. Nun steht er nebenan.

Von Jens Heymann

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